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Michail Gorbatschow:"Das hätte zum Atomkrieg führen können"

20 Jahre Mauerfall: Es war eine friedliche Revolution - zum Glück. Denn es hätte auch anders kommen können, sagt der frühere sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow.

Die Situation in der DDR im Herbst 1989 hätte nach Aussage des früheren sowjetischen Staats- und Parteichefs Michail Gorbatschow schlimmstenfalls bis zum Atomkrieg eskalieren können.

Michail Gorbatschow: "Das hätte sogar bis zum Atomkrieg führen können."

(Foto: Foto: dpa)

"Wenn wir besorgt gewesen wären, dann hätten wir die Soldaten nicht abgezogen. Wir hatten ja auch Panzer. Wenn wir die reingeschickt hätten, dann wäre es so geworden. Das hätte sogar bis zum Atomkrieg führen können. Und das wäre eine fürchterliche Variante gewesen", sagte er im ZDF-"Mittagsmagazin".

"Die Deutschen sind auf die Straßen gegangen in den Städten und haben ihre Forderungen konsequent durchsetzen wollen", sagte er weiter. Die Sowjetunion habe das genau verfolgt, sich aber nicht eingemischt.

Auch an die direkten Gespräche mit der DDR-Führung erinnert sich Gorbatschow: "Es gab Verhandlungen mit dem Politbüro der SED. Es gab Treffen, ja. Sie haben ihre Unruhe mir gegenüber geäußert, dass es schlecht läuft. Und wir haben geantwortet: Das ist eure Sache. Das sind eure Probleme. Löst sie selbst."

Altkanzler Helmut Kohl (CDU) wird nicht an den Feierlichkeiten zum 20. Jahrestag des Mauerfalls am Montag in Berlin teilnehmen. Kohl habe diese Entscheidung schon frühzeitig getroffen, teilte sein Büro mit.

Er habe sich bereits bei seinem Treffen mit dem früheren US-Präsidenten George Bush senior und dem früheren sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow am vergangenen Wochenende ausführlich zu dem Jahrestag geäußert.

Seit einem schweren Sturz Anfang 2008 hat sich Kohl fast vollständig aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. An der Feierstunde am vergangenen Samstag nahm der 79-Jährige im Rollstuhl teil und konnte nur mit Mühe sprechen.

Zu den zentralen Feierlichkeiten am Jahrestag des Mauerfalls am 9. November wird Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Staatsgäste aus aller Welt empfangen, darunter US-Außenministerin Hillary Clinton und den russischen Präsidenten Dmitrij Medwedjew, außerdem zahlreiche europäische Staats- und Regierungschefs.

© AP/AFP/bica

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