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Entwicklung:Das Preisgeld der Kanzlerin

Kanzlerin Merkel in Afrika

Der Wunsch Angela Merkels nimmt Form an: Projektleiterin Mariama Moussa zeigt der Kanzlerin die Baustelle des Frauenhauses in der Nähe von Nigers Hauptstadt Niamey.

(Foto: Michael Kappeler/dpa)

Auf ihrer Reise durch die ärmsten Länder Westafrikas macht Angela Merkel deutlich, wie wichtig ihr gerade die Lage der Frauen ist. Um diese zu verbessern, besucht die Kanzlerin eine Baustelle, die es ohne sie nicht gäbe.

Der Weg führt über rote Sandpisten, vorbei an Strohhütten und wilden Müllhalden, in denen dürre Ziegen herumstaksen. Am Rande der nigrischen Hauptstadt Niamey besucht die Bundeskanzlerin Mariama Moussa. Die resolute Dame baut hier ein Frauenhaus. Die Grundmauern für das Erdgeschoss des Gebäudes, das zwei Stockwerke haben soll, stehen schon. Wenn es planmäßig Ende Juli fertig ist, bietet es zwölf Schlafplätze für Frauen, die vor ihren gewalttätigen Männern geflohen sind. "Dies wird ein Haus der Hoffnung", sagt Mariama Moussa. "Hier finden die Frauen wieder Sicherheit und ihre Würde."

Die Kanzlerin besucht eine Einrichtung, die es ohne sie wohl so nicht gäbe. Als Merkel 2018 die erstmals vergebene Auszeichnung der finnischen Regierung für Verdienste um die Gleichstellung der Geschlechter erhielt, spendete sie das Preisgeld von 150 000 Euro der von Mariama Moussa gegründeten Hilfsorganisation für Opfer häuslicher Gewalt. Nun trifft sie nahe der Baustelle in Niamey Frauen, die sich an Moussa gewandt haben.

Die Lage der Frauen hat Merkel besonders im Blick, seit sie sich verstärkt um Afrika kümmert. Frauenförderung war ein wichtiger Bestandteil der deutschen G-20-Präsidentschaft 2017, dem die Kanzlerin auch mit öffentlichen Auftritten Gewicht verschaffte. Die G-20-Ziele sehen vor, den weltweiten Anteil von Frauen am Erwerbsleben bis 2025 um 25 Prozent zu steigern. Merkel will Frauen vor allem den Zugang zu Krediten erleichtern, sie zu technischen Berufen ermutigen, aber auch ihre Rolle in der Zivilgesellschaft stärken.

Die Realität in den westafrikanischen Staaten Burkina Faso und Niger, die Merkel jetzt besucht hat, sieht anders aus. Auf der Fahrt zu Moussas Projekt sieht Merkel auch Mädchen aus einer Schule kommen. Doch in den meisten ländlichen Gebieten gibt es für die Mädchen keine Bildung.

Noch immer bringen die Frauen in Niger durchschnittlich sieben Kinder zur Welt - die ersten noch als Teenager. Etwa drei Viertel der Mädchen werden verheiratet, bevor sie 18 Jahre alt sind, ein Drittel sogar schon unter 15. Ein verheiratetes Mädchen bedeutet für besonders arme Familien ein Kind weniger, das es zu ernähren gilt. Außerdem halten die Eltern laut der Organisation Terre des Femmes die Ehe für einen Schutz ihrer Kinder vor Vergewaltigungen und außerehelicher Schwangerschaft. Auch der Islam wird zur Rechtfertigung der Tradition herangezogen und steht oft im Konflikt zum Zivilrecht.