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Masern:Vernunft verordnen

Die Schutzimpfung muss zur Pflicht gemacht werden.

Von Michaela Schwinn

Braucht es schon wieder eine Verordnung, um ein Problem zu lösen? Nach den Diesel-Fahrverboten, nach der Debatte über die Widerspruchslösung bei der Organspende nun auch noch eine Impfpflicht gegen Masern? Wo bleibt die persönliche Freiheit, fragen manche. Bedeutet sie nichts mehr?

Doch, sie bedeutet viel, und genau deshalb sollte die Impfung zumindest für Kinder verpflichtend eingeführt werden. Brandenburg macht es vor, Nordrhein-Westfalen prüft die Verpflichtung - nun sollten alle Bundesländer nachziehen. Denn von welcher Freiheit sprechen die Gegner der Impfpflicht, wenn Neugeborenen nicht vor der Krankheit geschützt werden können, weil sie noch zu jung sind für die Immunisierung? Wenn ein hochansteckendes Virus, das Menschen im schlimmsten Fall töten kann, noch immer grassiert, obwohl es längst ausgerottet sein könnte?

Bisher waren alle Anstrengungen vergebens: Debatten im Bundestag, Masernausbrüche und Impfkampagnen scheinen manche völlig kaltzulassen. Faulheit oder Skepsis sind stärker. Die Impfrate stagniert, Menschen stecken sich weiter an. Und das, weil ein kleiner Teil der Bevölkerung sich durchmogelt, auf Kosten derer, die Verantwortung übernehmen. Deshalb gilt: Vernunft, sie muss in diesem Fall verordnet werden.

© SZ vom 15.04.2019

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