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Marina Weisband über die Piratenpartei:"Vele Spinner in der Partei"

sueddeutsche.de: Ihre Top 42 der Anträge ist ja eine recht bunte Mischung - besteht da nicht doch die Gefahr, dass einfach alle möglichen Anträge willkürlich angenommen werden?

Weisband: Sicher, wir haben schon viele Spinner in der Partei. Aber die werden von der Masse korrigiert. Ich vertraue auf die Schwarmintelligenz, wenn sie in einem vernetzten Umfeld stattfindet. Es wäre gefährlicher, wenn wir einen Vorstand hätten, der alles vorgibt, und da säße ein Spinner drin.

sueddeutsche.de: Der beliebteste Antrag war ja eine Veränderung der Drogenpolitik ... Ist Kiffen für die Piraten wichtiger als Transparenz und Urheberrecht?

Weisband: Dass das der wichtigste Punkt ist, ist Quatsch. Wir hatten 60 Anträge zu Bildung, 60 Anträge zur Wirtschaftspolitik und nur zwei zur Drogenpolitik. Es kann natürlich sein, dass das Thema deswegen so weit hoch gewählt wurde, weil es schon seit zwei Jahren liegengeblieben ist und die Leute nicht wollen, dass es noch mal liegenbleibt. Vielleicht gibt es da aber auch einfach eine besonders klare Meinung.

sueddeutsche.de: Eine Frage, die viele gerade umtreibt: Für wen sind Sie die größere Gefahr - für die Grünen oder doch für die FDP?

Weisband: Wir sind eine Gefahr für alle Parteien, die nach klassischem Schema funktionieren. Vielleicht sind wir sogar für die SPD die größte Gefahr, weil sie die eingefahrensten Strukturen hat. Mein Eindruck ist: Die Grünen und die Union zum Beispiel fühlen sich von uns eher motiviert.