Korruption in Malta Auch Siemens muss sich Fragen gefallen lassen

Sollte Yorgen Fenech tatsächlich der Eigentümer sein, führt das gleich zur nächsten Frage: Warum rechnen die Berater der beiden Politiker damit, dass Fenechs Firma ihnen Geld überweisen will - noch dazu verdeckt? Die demnach geplanten Zahlungen eines der Profiteure des 450-Millionen-Deals an beteiligte Politiker würden den schon lange kursierenden Verdacht nähren, dass im Rahmen des Projekts Electrogas Schmiergeld gezahlt werden sollte.

Die Mittel dafür waren wohl vorhanden: Reporter des Daphne-Projekts erfuhren aus Bankenkreisen in den Vereinigten Arabischen Emiraten, dass zwischen 2014 und 2015 mindestens neun Millionen Euro über ein Konto von 17 Black bei der Noor Bank geflossen sein sollen. Auch heute verfüge die Firma auf dem Konto noch über bis zu drei Millionen Dollar. Die Bank habe das Konto aber im letzten Monat gesperrt und der nationalen Zentralbank wegen Geldwäscheverdacht gemeldet.

Yorgen Fenech bestreitet auf Nachfrage nicht ausdrücklich, dass ihm 17 Black gehört - wohl aber, dass er je geplant habe, Politikern Gelder zu überweisen, oder das getan habe. Unklar bleibt, ob überhaupt je Geld an die Panama-Firmen floss. Das Vorhaben, Konten für die beiden Briefkastenfirmen der Politiker zu eröffnen, wurde jedenfalls auf Eis gelegt, als die Panama-Papers-Enthüllungen begannen.

Keith Schembri und Konrad Mizzi trugen wenig zur Klärung des Sachverhalts bei. Schembri sagte der SZ und ihren Partnern, 17 Black sei nur ein potenzieller Geschäftspartner gewesen. Der ehemalige Energieminister Mizzi sagte, es habe keine Verbindung zu 17 Black Limited gegeben. Konfrontiert mit einem Screenshot der Panama-Papers-E-Mail, zweifelt er die Authentizität der Dokumente an. Sowohl Mizzi als auch Schembri erklären nun, nicht zu wissen, ob Fenech der Eigentümer sei.

Durch die neuen Enthüllungen muss sich auch Siemens Fragen gefallen lassen: War dem Konzern bekannt, dass der örtliche Geschäftspartner Fenech Eigentümer einer Firma ist, von der Gelder an Briefkastenfirmen maltesischer Politikern fließen sollten? Ausgerechnet an den Minister und den Stabschef, die sich zuvor für das Kraftwerksprojekt eingesetzt hatten? Auf all das hätte man gerne Antworten - allerdings weigerte sich Siemens, konkrete Fragen der SZ zum Thema 17 Black zu beantworten. Die Begründung: Siemens stehe "in keiner Geschäftsbeziehung zu diesem Unternehmen".

Die Verfolgungsjagd im Juni endete mit dem Verschwinden Schembris im Amtsgebäude des Premierministers. Auf die Frage, warum er nicht antworten wolle, rief er dem Journalisten noch zu: "Ich beantworte Ihre dummen Fragen seit fünf Jahren."

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