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Malaysia:Der Tiger taumelt

Malaysias Premierminister Mahathir reicht Rücktritt an

Mahathir Mohamad, Premierminister von Malaysia, spricht bei einer Pressekonferenz in Putrajaya. Er hat beim König seinen Rücktritt eingereicht.

(Foto: Vincent Thian/dpa)

Premier Mahathir tritt zurück und löst so Spekulationen aus. Einige glauben, dass er seinen Rivalen Anwar Ibrahim als Nachfolger verhindern möchte.

Als Mahathir Mohamad im Alter von 93 Jahren noch einmal Wahlen gewann und Premier von Malaysia wurde, verblüffte das viele im Land. Nun überraschte der Regierungschef seine Bürger erneut, als er am Montag abrupt beim König seinen Rücktritt einreichte. Zwar war schon länger klar gewesen, dass der inzwischen 94-Jährige nicht mehr allzu lange am Ruder sein würde, wegen seines fortgeschrittenen Alters. Als er dann aber am Montag ohne Vorwarnung seinen Abschied nahm, provozierte das doch einige Unruhe und viele Spekulationen in Kuala Lumpur.

Wenige Stunden später wurde bekannt, dass Mahathir auf Wunsch des Königs zunächst als Übergangspremier im Amt bleibt, bis eine neue Regierung gefunden ist. Nun ist völlig offen, wie es in dem Vielvölkerstaat weitergeht. Selbst Neuwahlen schlossen Beobachter am Montag nicht aus. Eine andere Variante besteht in einer neuen Koalition, aus der einige bisherige Verbündete von Mahathir ausgeschlossen werden könnten. Manche Analysten glauben, dass er durch dieses Manöver eine neue Regierungskoalition installieren will, in der die Kräfte des malaiischen Mehrheitsvolkes gestärkt und der Einfluss ethnischer Chinesen zurückgedrängt werden soll.

Sicher ist nur, dass die kommenden Tage für das politische Schicksal von Anwar Ibrahim entscheidend sein werden. Er war bereits der designierte Nachfolger Mahathirs, doch nun ist unklar, ob er sich in diesem unübersichtlichen Machtkampf durchsetzen wird oder ob es seinen Gegnern gelingt, ihn zu verhindern. Als er gefragt wurde, ob er das Amt des Premiers noch übernehmen könne, sagte Anwar knapp: "Wir werden sehen."

Vorgesehen war eigentlich, dass Mahathir das Amt für seinen früheren Erzrivalen, Anwar Ibrahim, räumen sollte. Die beiden waren für die Wahlen 2018 eine Allianz eingegangen, um den damaligen Amtsinhaber Najib Razak zu entmachten. Der war wegen massiver Korruptionsvorwürfe um den Staatsfonds 1MDB so sehr unter Druck geraten, dass die Wähler ihn für den mutmaßlichen Milliardenbetrug und die Plünderung der Staatskassen bestraften und Mahathir zurück an die Macht brachten, einen Mann, der seine große Zeit in den 1980er- und 1990er-Jahren hatte.

Mahathir führte Malaysia damals mit harter Hand in den ökonomischen Aufschwung, das Land wurde zum "asiatischen Tiger", bevor es dann in der Asienkrise taumelte und der autoritäre Premier einige Mühe hatte, den südostasiatischen Vielvölkerstaat wieder zu stabilisieren.

Anwar und Mahathir verbindet eine sehr, sehr lange und wechselhafte Geschichte. Nachdem die beiden in frühen Jahren Verbündete waren, fürchtete Mahathir später um seine Macht, er verfolgte Anwar fortan gnadenlos als seinen politischen Gegner. Es kam sogar so weit, dass der Rivale wegen Vorwürfen von Korruption und einer homosexuellen Beziehung zu seinem Fahrer jahrelang hinter Gittern landete. Doch Jahre später schmiedeten die beiden Männer erneut einen bizarren Pakt, um Najib zu stützen. Zu dieser Allianz gehört die Ankündigung, dass Mahathir im Falle eines Wahlsieges innerhalb von zwei Jahren das Amt an Anwar übergeben sollte.

© SZ vom 25.02.2020
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