Linksautonome in Hamburg:Der Bericht über Maria ,Block' ist bemerkenswert

Und im Fall Maria B. ist nun die Frage, ob sie als Beamtin für Lageaufklärung (BfL) oder als verdeckte Ermittlerin (vE) unterwegs war. BfL kann die Polizei ohne Einverständnis der Staatsanwaltschaft einsetzen, ihre Möglichkeiten sind allerdings beschränkt, Privaträume dürfen sie zum Beispiel gar nicht betreten. Genau das soll Maria B. als Maria Block aber getan haben, wenn man dem 16-seitigen Enttarnungsbericht glauben darf, den Vertreter der linksautonomen Szene nach intensiven Recherchen im Online-Portal indymedia.org veröffentlicht haben. Die Autoren des Berichts schreiben: "Ob sie als BfL oder vE eingesetzt war, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht gesagt werden. Klar ist jedoch, dass sie die rechtlichen Kompetenzen beider Szenarien weit überschritten hat." Die Polizei hat im NDR bisher nur bestätigt, dass es sich bei Maria B. um eine Hamburger Polizeibeamtin handle.

Der Bericht mit dem Titel "Enttarnung der ehemaligen verdeckten Ermittlerin Maria ,Block'" ist bemerkenswert. Dennis Gladiator von der Hamburger CDU-Fraktion rügt zwar den Umstand, dass er auch den Klarnamen, die Adresse und Bilder der Beamtin mitliefert. "Das ist inakzeptabel." Und in der Tat ist das fragwürdig. Aber dass es sich bei dem Papier um reine Kolportage handeln könnte, wäre eine gewagte Interpretation. Schon im Fall Iris P. hat die Aufarbeitung der Innenbehörde ergeben, dass die Darstellungen der linksautonomen Szene richtig waren. Stattdessen liefert der Bericht spannende Details aus der geheimen Arbeit der Polizei.

Maria B. muss sehr überzeugend gewesen sein

Er zeigt, dass eine Ermittlerin im Geheimdienst nicht nur ihre Legende glaubwürdig vertreten muss und sich dabei auf ein ganzes Konstrukt aus Lügen und Täuschungen stützt. Sondern dass sie auch in der Lage sein muss, sich in die Herzen ihrer Beobachtungsobjekte zu spielen.

Maria Block wird als engagiertes Szenemitglied beschrieben, die Veranstaltungen mitplante, sich an Demonstrationen und Aktionen beteiligte sowie an nicht-öffentlichen Kampagnen- und Gruppentreffen teilnahm. "Maria B. war auch über Hamburg hinaus und sogar in internationalem Kontext aktiv und beteiligte sich an strafrechtlich relevanten Aktionen", heißt es in dem Bericht. "Sowohl im Wohnort Wilhelmsburg als auch in der AntiRa-Kneipe knüpfte sie Kontakte zu anderen AktivistInnen und baute ,Freundschaften' auf, die mindestens ein sexuelles Verhältnis zu einem Aktivisten der AntiRa-Kneipe im Oktober/November 2009 mit einschließen."

Maria B. muss sehr überzeugend gewesen sein als Maria Block. Ihre Enthüller schreiben: "Der entscheidende Punkt, warum sie in gewisse Strukturen gekommen ist, war nicht nur, dass sie ein Leben als linke Aktivistin führte - der entscheidende Punkt war, dass ihr vertraut wurde." Und zwar bis zum letzten Brief.

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