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Libanon:Szenen eines Polit-Thrillers

Frankreichs Präsident Macron zeigt, dass er international kein Statistendasein fristen will.

Frankreichs noch recht neuer Präsident Emmanuel Macron liebt nicht nur zu Hause den großen Auftritt. Auch in der Außenpolitik waren seine Schritte stets darauf ausgelegt, Spuren oder wenigstens Eindruck zu hinterlassen: Ein mit einem Tusch präsentierter EU-Reformplan, ein in Armdrücken ausartender Handschlag mit Donald Trump, Überraschungsbesuch beim saudischen König - Macron zeigt gleich: International will er kein Statistendasein fristen.

Im derzeit wohl spektakulärsten Polit-Thriller hat sich Macron nun zumindest eine Nebenrolle gesichert: Den unter mysteriösen Umständen in Riad zurückgetretenen libanesischen Premier Saad Hariri hat er halb nach Paris eingeladen und halb zu einem Besuch genötigt - am Donnerstag schickte Macron sogar seinen Verteidigungsminister, damit der den Gast am besten gleich mit nach Hause bringt.

Viel wird spekuliert, ob Hariri aus freien Stücken in der saudi-arabischen Hauptstadt weilt oder als Gefangener im eigenen Wochenendhaus. Anstatt stille Diplomatie zu betreiben, inszeniert Macron nun eine Art Geiselbefreiung vor den Augen der Öffentlichkeit. Deren Aufmerksamkeit sei ihm genauso gegönnt wie der Applaus, wenn Hariris Flugzeug in Paris aufsetzt. Denn bisher weiß niemand, ob der sein Amt freiwillig aufgab oder auf Druck des saudischen Königshauses - und solange der Mann in Riad weilt, wird es auch niemand herausfinden.

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