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Landtagswahl in Thüringen:Althaus pocht auf "Gestaltungsauftrag"

Doch von diesen kommen keineswegs eindeutige Signale. Der SPD-Landesgeschäftsführer, Jochen Staschewski, wagt sich früh ans Mikrofon: "Ohne die SPD geht nichts mehr in Thüringen", sagt er selbstbewusst. Bei den Grünen heißt es, man wolle zwar einen Politikwechsel - ob sie jedoch hierfür Bodo Ramelow zum Ministerpräsidenten wählen würden, erscheint eher unwahrscheinlich.

Althaus: "Wir haben einen Gestaltungsauftrag"

Auch die SPD hatte vor der Wahl klargestellt, dass sie keinesfalls einen Vertreter der Linken zum Regierungschef machen werde und allenfalls dann eine Koalition mit der Linken eingehen werde, wenn die SPD den Ministerpräsidenten stelle. So sagt der Spitzenkandidat der Sozialdemokraten, Christoph Matschie, auch klar: "Was ich vor der Wahl gesagt habe, gilt auch nach der Wahl." Der Politiker mit dem roten Stoppelkopf grinst dabei - er kann seine Freude nicht verbergen und betont, dass "künftig ohne die SPD nicht mehr regiert werden kann".

Ganz anders wirkt Dieter Althaus, als er kurz vor 19 Uhr endlich im Landtag eintrifft. Langsam und elegisch beantwortet er Fragen des Moderators und versucht nur eines deutlich zu machen: "Wir haben einen Gestaltungsauftrag bekommen", folglich werde er auch die anderen Parteien zum Gespräch einladen. Morgens hatte Althaus weit gelassener gewirkt, als er erst zum Gottesdienst und dann ins Wahllokal ging. Locker plauderte er mit Helfern, während er seinen Wahlzettel einwarf. Später schlenderte er zu seinem Backsteinhaus am Ortsrand, umringt von einem Pulk von Journalisten. Ramelow hat in Erfurt seine Stimme abgegeben, Matschie in Jena.

Abends treffen sich alle drei vor Fachwerkkulissen im Fernsehstudio, und Ramelow kabbelt sich prompt mit dem Moderator: Für ihn ist klar, dass er nun am Zuge sei - immerhin hat die Linkspartei vermutlich mehr Stimmprozente bekommen als SPD und Grüne zusammen. Für Ramelow bedeutet dies, dass Grüne und SPD in einem Bündnis nicht gegen den Willen der Linken einen SPD-Mann zum Ministerpräsidenten wählen könnten.

Ramelow: "Wir sind der rote Motor"

Für die Grünen-Spitzenkandidatin Astrid Rothe-Beinlich ist es an den "großen Parteien", aufeinander zuzugehen. Selbstbewusst sagt die Pfarrerstochter: "Ich bin gespannt, inwieweit die großen Tanker sich bewegen, an ihnen liegt es jetzt." Sie macht klar, dass die Grünen keinesfalls für Ramelow als Ministerpräsidenten stimmen würden: "Wir wählen nur einen der beiden, und das ist nicht Ramelow, sondern Matschie."

Ramelow wiederum besteht darauf, er müsse der Einladende sein bei Koalitionsverhandlungen: "Wir sind der rote Motor hier im Land", dröhnt er, während er von einem Fernsehstudio ins nächste eilt. Freilich vermeidet er eine klare Antwort auf die Frage, ob er Ministerpräsident werden wolle: erst müsse "sondiert werden". Und selbst den Anspruch auf das Amt anmelden, wie er es noch vor Tagen erklärte, will Ramelow jetzt nicht: "Ich bin doch nicht in einer Casting-Show."

Auch Althaus eilt von einem Interview zum nächsten. Warum die CDU knapp zwölf Prozent verlor, dazu mag er jedoch nichts sagen: "Da müssen wir erst einmal das Endergebnis abwarten." Sein Vorgänger Bernhard Vogel ist nicht so zugeknöpft: "Absolute Mehrheiten sind nicht mehr in Mode sind heutzutage", sagt er. Und wenn man 19 Jahre an der Regierung sei wie die CDU in Thüringen, dann bringe das zwangsläufig "Opfer an Stimmen" mit sich. Aber auch "über Fehler im Wahlkampf sollte irgendwann gesprochen werden", meint Vogel, will aber nichts Näheres sagen. Zuerst müsse "eine stabile Regierung" her. Vogel denkt an eine Koalition aus CDU und SPD. Andere haben freilich ganz andere Konstellationen im Kopf.

© SZ vom 31.08.2009/tob
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