Kundus-Affäre Guttenbergs schwerer Fehler

Verteidigungsminister Guttenberg nannte den Luftangriff von Kundus unvermeidlich - aus Solidarität zur Truppe. Doch die Einschätzung entbehrte jeder Grundlage.

Ein Kommentar von Peter Blechschmidt

Der neue Verteidigungsminister war gerade eine Woche im Amt, da musste Karl-Theodor zu Guttenberg sich zu einer schweren Erblast äußern.

Karl-Theodor zu Guttenberg

(Foto: Foto: ddp)

Just am Tag seiner Amtsübernahme war der Abschlussbericht der Nato zum Luftschlag von Kundus eingetroffen, bei dem Anfang September auf Befehl eines deutschen Obersten zwei Tanklaster bombardiert und bis zu 142 Menschen getötet worden waren.

Und nun, Anfang November, sollte Guttenberg dieses Desaster erstmals öffentlich bewerten.

Der Minister stand vor einem schwierigen Spagat. Er hatte es mit einem Offizier zu tun, der erkennbar schwere Fehler begangen hatte. Aber die Truppe stand hinter diesem Offizier, und sie hatte hohe Erwartungen an die Solidarität ihres neuen Oberbefehlshabers.

Guttenberg wollte diese Solidarität zeigen - nicht nur aus politischer Opportunität, sondern weil ihm die Bundeswehr wirklich am Herzen liegt. Und so nahm er zwar die Formulierung seiner militärischen Berater auf, dass der Luftschlag angemessen gewesen sei. Aber er ging noch darüber hinaus und sagte, der Angriff sei unvermeidlich gewesen.

Schon damals schüttelten Kenner der Verhältnisse den Kopf über so viel Kühnheit. Jetzt weiß man, dass die maßgebliche Analyse des Geschehens durch die militärische Führung keine Rechtfertigung für diese Bewertung Guttenbergs hergibt.

Die darin enthaltene Liste der Fehler in Kundus hätte dem jungen Minister Mahnung zu größerer Vorsicht sein müssen. Dann hätte er nicht vier Wochen später widerrufen müssen. Und er hätte zwei verdiente Spitzenleute, Staatssekretär Peter Wichert und Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan, nicht zu seinen Sündenböcken machen müssen.

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