Kritik an der Hauptstadt Hausbesetzer, die sich in breitestem Schwäbisch als Ureinwohner definieren

Eine "failed Stadt" sei Berlin nicht, findet auch er. Allerdings funktioniere die vermeintliche Metropole auch nicht wie eine richtige Großstadt. Um zu erklären, warum, liefert Hoffmann-Axthelm einen kurzen Abriss des 20. Jahrhunderts: 1920 habe man Berlin aus unabhängigen Kommunen zusammengezimmert - und ihnen dabei viel zu viel Autonomie zugestanden. Noch fataler aber, was danach passierte: "Das Berliner Bürgertum wurde ausgerottet." Die Nazis deportierten viele der Besten ins KZ. Und nach dem Krieg habe die Wirtschaftselite das besetzte Berlin hurtig verlassen, im Osten übernahmen Parteikader die Macht.

In Westberlin hätten die verbleibenden Bürger sich an den Rand der Stadt zurückgezogen. "Von da an hat die SPD die Stadt aus ihren Laubenkolonien regiert und die CDU sich in Villen verschanzt", sagt er. Trotzdem habe Berlin den Status eines Stadtstaates erhalten. Während Hamburg und Bremen auf eine lange Tradition bürgerschaftlicher Organisation zurückblickten, habe im zerfallenen West-Berlin mit seinen eigenwilligen Bezirken niemand gewusst, "wer hier eigentlich wen regiert."

"Aber hier soll es laufen wie in ihrer Kleinstadt"

Da halfen auch die vielen jungen Alternativen nicht, die es nach Berlin zog. Die brachten vielmehr eine zusätzliche Portion Provinzialismus mit, findet Hoffmann-Axthelm - "auch wenn sich manche von ihnen damals in Kreuzberg bei Hausbesetzungen nach einem halben Jahr in breitestem Schwäbisch als Ureinwohner stilisierten". Davon sei die Berliner Zugezogenen-Szene bis heute geprägt. "Wenn die mal in New York sind, dann finden sie dort alles toll. Aber hier soll es laufen wie in ihrer Kleinstadt."

Schwaben "Des isch halt mein Kiez"
Video über Schwaben in Berlin

"Des isch halt mein Kiez"

Über Schwaben in Berlin wurde schon viel gebruddelt. Ein Video stellt jedoch alles in den Schatten. Es pult auf högschd amüsante Weise in der Wunde der schwäbischen Seele - und unser schwäbischer Autor schrieb einen Text dazu.

Bis heute gebe es auch das Entscheidungsgewirr zwischen dem Stadtstaat Berlin und den Bezirken. Hoffmann-Axthelm beklagt die verästelten Zuständigkeiten und die zu große Macht der lokalen Ebene, die die Organisation der wachsenden Stadt zusätzlich erschwerten - und die nun auch in der Berliner Flüchtlingspolitik zum Chaos führen. All diese Probleme spiegelten sich in der Stadtplanung wieder: "Es kann doch nicht sein, dass über Baumaßnahmen am Berliner Fernsehturm auf einer reinen Anwohnerversammlung diskutiert wird", sagt er. Das betreffe doch die ganze Stadt. Sie müsse nachverdichtet werden und endlich ein funktionierendes Zentrum bekommen, um politisch wie städtebaulich als Metropole zu funktionieren.