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Kriminalität:"Eklatanter Verdacht" auf islamistisches Motiv

Es gebe klare Hinweise darauf, dass hinter der Messerattacke in Würzburg eine radikale Gesinnung stecke, sagt Bayerns Innenminister Herrmann.

Von Constanze von Bullion und Johann Osel, München/Berlin

Nach der Messerattacke mit drei Toten in Würzburg prüfen Bayerns Ermittlungsbehörden einen "eklatanten Verdacht" auf ein islamistisches Motiv des tatverdächtigen Somaliers. "Ein Urteil ist abschließend noch nicht zu fällen, aber es gibt klare Hinweise darauf, dass hinter der Tat auch eine radikale Gesinnung steckt", sagte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) der Süddeutschen Zeitung. Er bezieht sich auf "sehr glaubwürdige" Zeugenaussagen, wonach der Mann bei der Tat in einem Kaufhaus "Allahu akbar" gerufen habe, "Gott ist groß". Laut Polizei habe er zudem im Krankenhaus von "seinem persönlichen Beitrag zum Dschihad" gesprochen. "Das schließt nicht aus, dass der Mann auch erhebliche psychische Probleme hatte und hat", so Herrmann. "Wir können im Moment noch nicht sagen, ob und wie stark hier ein islamistischer Hintergrund dahintersteckt." Jetzt sei "klare kriminologische Arbeit" zu leisten.

Am Freitag hatte der 24-Jährige in Würzburg drei Frauen erstochen, danach verletzte er weitere Passanten, einige davon schwer. Das Landeskriminalamt und die Generalstaatsanwaltschaft München haben die Ermittlungen übernommen. Im Fokus steht insbesondere die Auswertung zweier Handys. Der Somalier hielt sich mit subsidiärem Schutzstatus in Deutschland auf. Er war polizeibekannt, soll in seiner Unterkunft einen Mitbewohner mit einem Messer bedroht haben - bisher gab es aber offenbar kein Strafverfahren. Nach geltendem Recht ist ein Widerruf des subsidiären Schutzes bei einer Haftstrafe ab zwei Jahren möglich.

Herrmann geht davon aus, dass das zuständige Bundesamt für Migration und Flüchtlinge "das Widerrufsverfahren auch formal einleitet". Es gebe aber "überhaupt keinen Grund für einen Rundumschlag in der Migrationspolitik, es würde nicht weiterhelfen, in diese Schiene zu kommen", sagte er, angesprochen auf den Wahlkampf. "Wir müssen Probleme beim Namen nennen, es wird nichts unter den Tisch gekehrt oder beschönigt." Man müsse aber auch "klar sagen, das ist nicht typisch für alle Muslime in unserem Land, ganz im Gegenteil - man denke nur an den Iraner, der geholfen hat, den Täter zu stoppen."

Die Kanzlerin sei tief erschüttert über die Tat

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sei tief erschüttert über die Tat in Würzburg, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag. "Es ist eine Tat von nicht zu begreifender Brutalität und Bösartigkeit." Die gesamte Regierung nehme Anteil am Schicksal der Opfer und ihrer Familien, der Schwerverletzten und derjenigen, "die das Entsetzliche miterleben mussten".

Gleichzeitig gebe es Anlass, dankbar zu sein "für den Mut und die Geistesgegenwart von Menschen auf der Straße, die den Täter gestellt haben und so möglicherweise weitere Morde verhinderten". Seibert verwahrte sich gegen Kritik, die Regierung habe einen möglichen islamistischen Hintergrund zu verschleiern gesucht. Alle Fakten kämen auf den Tisch. Zunächst sei aber abzuwarten, bis der Sachverhalt "vollständig und lückenlos" aufgeklärt sei, betonte auch ein Sprecher von Innenminister Horst Seehofer (CSU).

© SZ
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