Krieg in Syrien UN-Sonderermittlerin Del Ponte verlässt Syrien-Kommission

UN-Sonderermittlerin im Syrienkonflikt, Carla Del Ponte (Archivbild).

(Foto: dpa)
  • Die UN-Sonderermittlerin Carla Del Ponte verlässt desillusioniert die Syrien-Kommission der Vereinten Nationen.
  • Ihr Posten sei nur ein "Alibi" gewesen, sagte sie einem Schweizer Magazin.

Nach fünf Jahren will die frühere UN-Chefanklägerin Carla Del Ponte die UN-Untersuchungskommission zu Syrien verlassen, weil diese ihrer Ansicht nach keine Fortschritte macht. "Ich gebe auf", sagte sie dem Schweizer Magazin Blick. "Ich kann nicht länger Teil dieses Ausschusses sein, der schlichtweg nichts unternimmt." Im September werde sie ein letztes Mal an der Sitzung der Kommission teilnehmen.

Del Ponte war 2012 in den Untersuchungsausschuss zum Krieg in Syrien berufen worden. Sie sei nur als "Alibi" eingesetzt worden, während der UN-Sicherheitsrat nichts unternehme, sagte die 70-Jährige dazu: "Wir sind machtlos, in Syrien gibt es keine Gerechtigkeit."

Zu Anfang habe die Lage in dem Bürgerkriegsland sich ihr so dargestellt, als sei das Regime von Machthaber Baschar al-Assad der Übeltäter und die Oppositionellen "die Guten". Nach sechs Jahren sei sie jedoch zu dem Schluss gekommen, dass sowohl die syrische Regierung als auch die Opposition Verbrechen begehe. Die Kriegsverbrechen hier seien schlimmer als im früheren Jugoslawien und in Ruanda, sagte Del Ponte. Leider gebe es in diesem Fall kein Tribunal.

Del Ponte war von 1999 bis 2007 Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag für die Kriegsverbrechen in Ex-Jugoslawien sowie für den Völkermord in Ruanda.

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