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Krieg in Afghanistan:Warlord Inc. - freies Geleit gegen Geld

Die USA verteilen in Afghanistan Milliarden Dollar an Firmen, damit schwerbewaffnete Söldner für Sicherheit sorgen. Die Dienstleister verdienen prächtig - und bestechen mit dem Steuergeld zwielichtige Kriegsfürsten und möglicherweise auch Taliban.

Sie haben alles dabei: Frühstücks-Muffins für die Soldaten, Benzin für die gepanzerten Fahrzeuge, Munition und auch Spezial-Material, um Sprengsätze zu entschärfen: Bis zu 8000 Lkw-Ladungen pro Monat sind in Afghanistan nötig, um die Versorgung und Ausstattung von 200 zum Teil abseits gelegenen US-Basen sicherzustellen. Die Logistik für die Nato-Truppen ist in einem Land ohne Seehafen, ohne Schienen- und flächendeckendes Straßennetz eine Herausforderung. Einerseits. Andererseits ist sie, wie so vieles im Krieg, ein gutgehendes Geschäft.

Anschlag auf Nachschublaster

Anschlag auf einen Nachschublaster der Nato an der afghanisch-pakistanischen Grenze. Vor allem private Dienstleister profitieren hier von der prekären Sicherheitslage.

(Foto: dpa)

In Afghanistan profitieren vor allem private Dienstleister von der prekären Sicherheitslage. Allein 2,16 Milliarden Dollar verteilt das amerikanische Verteidigungsministerium an acht Firmen, deren schwerbewaffnete Angestellte dafür sorgen sollen, dass die Gütertransporte auch ihr Ziel erreichen. Durch Feindesland müssen sie dafür häufig, durch Gebiete, die von den Taliban kontrolliert werden. Doch das amerikanische Steuergeld fließt nicht nur in die Taschen der amerikanischen, afghanischen und nahöstlichen Sicherheitsfirmen. Denn diese wiederum reichen einen Teil davon weiter, schließen Deals mit zwielichtigen Kriegsfürsten und möglicherweise auch mit den Taliban selbst. Freies Geleit gegen Geld, so die Devise.

"Warlord, Inc." heißt der Bericht eines Kongressausschusses, in dem all dies nachzulesen ist und den amerikanische Abgeordnete nun vorgestellt haben. "Ernüchternd bis schockierend" nennt der demokratische Abgeordnete John Tierney die Ergebnisse, die auf Dutzenden Gesprächen mit Vertretern des US-Militärs, Mitarbeitern der betroffenen Sicherheitsfirmen und Analysten in Afghanistan basieren. Tierney, maßgeblich für die Studie verantwortlich, tritt für weniger Militärpräsenz in Afghanistan ein. Der Kongress solle nun entscheiden, ob die Vorgehensweise am Hindukusch "die effektivste Methode ist, um mit dem Terrorismus umzugehen - oder die kostenintensivste", wie er der Washington Post sagte.

Ein durchschnittlicher Konvoi von Kabul in die südlich gelegene Unruheprovinz Kandahar besteht nach Angaben des Berichts aus 300 Lastwagen. Bis zu 500 Mann stark ist die kleine Privatarmee, die, ausgestattet mit Maschinengewehren und kleinen Raketen, dafür als Begleitschutz erforderlich ist. Die Wächter der Ware liefern sich während des Transports zum Teil stundenlange Feuergefechte mit Aufständischen, rivalisierenden Sicherheitsanbietern und Kriminellen, heißt es in der Studie. Eine Methode für die Firmen, diesen Auseinandersetzungen aus dem Weg zu gehen, sind demnach Deals, die sie mit Kriegsfürsten und Milizenführern schließen - allesamt also Partner, die mit der afghanischen Regierung um die Machtverteilung ringen - und den Zielen der Nato-Mission am Hindukusch völlig entgegenstehen.

Das amerikanische Verteidigungsministerium sei "im großen Stil blind gewesen" in Bezug auf die strategischen Konsequenzen dieser Auftragsvergabe, kritisiert der Bericht. Die Kooperation mit den Warlords ist allerdings nur die eine Seite. Nach Angaben des Berichts kassieren auch Gouverneure, Polizeichefs und afghanische Sicherheitskräfte ab, damit die Güter an ihr Ziel gelangen dürfen. Damit untermauert der Report eine der zentralen Probleme am Hindukusch: Selbst wenn die Nato militärisch vorankommen sollte, ist sie auf zivile Politiker und Beamte angewiesen, der die Bevölkerung vertrauen kann. In den meisten Fällen ist dies aber nicht der Fall.