Kosovo Vučić, der Zündler

Serbiens Präsident spielt ein böses Spiel auf dem Balkan.

Von Peter Münch

Wütende Tiraden und brennende Barrikaden sind Beweis genug dafür, dass der Kosovo-Konflikt noch weit von einer Lösung entfernt ist. Serbiens Präsident Aleksandar Vučić kommt das zweifelhafte Verdienst zu, diese traurige Wahrheit der Welt an diesem Wochenende vor Augen geführt zu haben.

Als gewiefter Stratege hat Vučić in den vergangenen Wochen hochfliegende Erwartungen geschürt. Pläne für einen Gebietstausch zwischen Serben und Kosovo-Albanern wurden öffentlich debattiert. Doch dann hat Vučić selbst wieder die Luft aus dem Versuchsballon gelassen, den er über dem Amselfeld hat aufsteigen lassen. In seiner mit Spannung erwarteten Rede im Kosovo gab er am Sonntag die neue Botschaft aus, dass mit Kompromissen auf lange Sicht nicht zu rechnen ist. Vorgeführt hat Vučić mit seiner diplomatischen Springprozession vor allem die Protagonisten der EU, die sich in der Frage der Grenzverschiebung wie ein Hühnerhaufen präsentierten. Während Deutschland und einige andere dies zu Recht als gefährlichen Präzedenzfall ablehnten, zeigten sich Vertreter der Brüsseler Kommission angetan von der Idee. Wenn zwei Lager sich streiten, braucht Vučić als Dritter vorerst keinen Druck mehr zu fürchten. Das ist ein Erfolg für ihn, aber ein herber Rückschlag für die Vermittlungsbemühungen der EU.