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Korea-Krise: Die Rolle Chinas:Peking und der nützliche Diktator

Nordkorea spielt sein altbekanntes Spiel aus Wortbrüchen und militärischen Provokationen. Und wieder reagiert der Westen ratlos - und appelliert hilflos an China, Kim Jong Il zur Vernunft zu bringen. Doch Peking stützt weiterhin das Regime in Pjöngjang - um seine Machtposition in der Region zu sichern.

Nordkorea spielt wieder sein altes Spiel. Diktator Kim Jong Il hat erklärt, dass er wieder zu Verhandlungen über sein Atomprogramm bereit ist. Gleichzeitig hat er mit einer Reihe gezielter militärischer Provokationen begonnen. Die Versenkung der südkoreanischen Korvette Cheonan Ende März war der Auftakt. Der Granathagel dieser Woche war die Fortsetzung.

Korea-Konflikt

Am 25. November veröffentlichte die nordkoreanische Presseagentur dieses Foto des "Geliebten Führers": Kim Jong Il besucht einen Laden, in dem Sojasauce verkauft wird.

(Foto: dpa)

Mit jedem Drehen an der Spirale aus Aggression und Kriegsangst wächst nach der verqueren Logik des nordkoreanischen Regimes der Druck auf Südkorea und die USA, den Kommunisten in Pjöngjang die Einzelteile ihres Atomwaffenprogramms mit diplomatischen Versprechen, Öllieferungen, Nahrungsmittelhilfe und anderen Zugeständnissen abzuhandeln.

Auch die Reaktion Südkoreas und seiner Bündnispartner ist dieselbe wie in früheren Runden dieses Atompokers. Besonders auffällig ist die große Hilflosigkeit und Ratlosigkeit gegenüber Nordkorea. Sie ist erkennbar in den immer gleichen Aufforderungen an China, die Nordkoreaner endlich zur Vernunft zu bringen.

Nun wäre es zwar schön, wenn Chinas kommunistische Führung bereits zu solch einer aufgeklärten, ideologiefreien Außenpolitik fähig wäre. Doch leider hat Peking in den vergangenen Jahren deutlich gezeigt, dass es sich voll und ganz hinter das sozialistische Bruderland Nordkorea stellt.

Deckung im Sicherheitsrat

Selbst nach zwei Atomtests Pjöngjangs und dem Versenken der Cheonan, bei dem 46 südkoreanische Soldaten ums Leben kamen, haben die Chinesen immer wieder härtere Sanktionen gegen Nordkorea im UN-Sicherheitsrat verhindert. Nordkorea kann sein Spiel aus Provokationen, Verhandlungen, Wortbrüchen und neuen Provokationen seit einem Jahrzehnt ungestraft spielen, weil es von Chinas Vetomacht im Sicherheitsrat gedeckt ist.

Es ist daher nicht mehr als Wunschdenken, was der Sprecher des amerikanischen Außenministeriums, Philip Crowley, am Mittwoch in Washington erklärt hat. China solle klar sagen, dass Nordkorea für das jüngste Artillerieduell auf der Insel Yonpyong verantwortlich sei, sagte der Amerikaner, "so wie wir auch".

Auch sein Vorgesetzter, US-Präsident Barack Obama, scheint darauf zu hoffen. Er werde China zur Kooperation auffordern, um künftige Provokationen Nordkoreas zu verhindern, hatte Obama schon am Mittwoch in einem Telefonat mit Südkoreas Präsident Lee Myung Bak erklärt. Wie die Korea Times unter Berufung auf das Präsidialamt in Seoul weiter berichtete, betonte auch der südkoreanische Staatschef die wichtige Rolle Chinas.

Verärgerung über Kriegstreiberei

Doch diese Hoffnungen dürften auch diesmal wieder enttäuscht werden. Zwar ist auch die kommunistische Führung in Peking über Kims Kriegstreiberei verärgert. Seine Regierung finde nicht gut, was Nordkorea da gerade wieder mache, sagte ein chinesischer Diplomat am Mittwoch im vertraulichen Gespräch. Offiziell aber vermeidet die chinesische Regierung jede Kritik an Pjöngjang.

Nur in vertraulichen Gesprächen machen hochrangige chinesische Regierungsmitglieder seit Jahren keinen Hehl daraus, dass sie Nordkorea für einen schwierigen, ja oft lästigen Bündnispartner halten. Man habe weniger Einfluss auf Kim Jong Il, als im Westen oft angenommen werde, sagte ein chinesischer Politiker in einem solchen Gespräch.

Kim höre kaum auf Peking, sagte der Beamte. Auch das ist kein neues Phänomen. Die Geschichte Nordkoreas kann auch als ein einziger diplomatischer Seiltanz zwischen übermächtigen, oft gegenseitig verfeindeten Großmächten wie der Sowjetunion, später Russland, Japan und eben China gelesen werden. Nordkorea spielt traditionell all diese Mächte gegeneinander aus, um selbst zu überleben.

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