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Konflikt um Sonderwirtschaftszone Kaesong:Pjöngjang verweigert Südkoreanern Einreise

Nordkorea provoziert weiter - und macht die Grenzen zum Nachbarland vollständig dicht. Arbeiter haben keinen Zugang mehr zum Industriekomplex Kaesong. Dort befinden sich noch mehrere Hundert Südkoreaner.

Nordkorea scheint in einer weiteren Eskalation der Spannungen auch die letzten wirtschaftlichen Beziehungen zu Südkorea kappen zu wollen. Das kommunistische Land verweigert den Südkoreanern den Zugang zur Sonderwirtschaftszone Kaesong, die von beiden Staaten gemeinsam betrieben wird. Zum Zeitpunkt der Bekanntgabe befanden sich 861 südkoreanische Arbeiter in dem Industriekomplex.

Es dürften keine Arbeiter aus dem Süden wie sonst allmorgendlich üblich die Grenze überqueren, habe Pjöngjang am Mittwoch mitgeteilt, sagte ein Sprecher des Vereinigungsministeriums in Seoul. Die noch in Kaesong befindlichen südkoreanischen Arbeiter dürften Nordkorea aber wieder verlassen. Wie lange die Sperre dauern soll, war unklar.

Der Sprecher in Seoul bezeichnete die Entscheidung Pjöngjangs als "sehr bedauerlich". Priorität habe aber zunächst die Sicherheit der Südkoreaner, die sich noch in dem auf nordkoreanischer Seite gelegenen Industriekomplex befinden. Die Regierung in Seoul gehe davon aus, dass alle ihre Staatsbürger sicher zurückkehrten.

Seoul hattezunächst mitgeteilt, dass die bislang täglich erteilte Einreiseerlaubnis für 484 Südkoreaner nicht vorliege. Üblicherweise überqueren die südkoreanischen Arbeiter um 08.30 Uhr Ortszeit die Grenze. Der Betrieb in dem gemeinsam von Nordkorea und Südkorea unterhaltenen Industriekomplex war bislang trotz der seit Wochen verstärkten Spannungen zwischen beiden Ländern weitergelaufen, allerdings hatte Pjöngjang mit einer Schließung gedroht.

Der Industriekomplex Kaesong liegt in Nordkorea, etwa zehn Kilometer von der Grenze zu Südkorea entfernt. Er wurde 2004 als Projekt der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit der beiden Staaten gegründet. Der Komplex bietet dem kommunistischen Staat Nordkorea eine Möglichkeit, an harte Devisen zu kommen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels wurde geschrieben, "Die südkoreanische Regierung erklärte der Nachrichtenagentur Yonhap zufolge, alle Optionen zu prüfen, um die Sicherheit der südkoreanischen Beschäftigten zu wahren - dazu gehören im schlimmsten Fall auch militärische Mittel." Das stimmt, trotz anderslautender Meldungen von AFP und Reuters, nicht. Die von der südkoreanischen Agentur Yonhap zitierte Quelle ist nicht die Regierung, sondern der Abgeordnete Won Yoo-chul, der vermeintliche Aussagen des Verteidigungsministers falsch wiedergegeben hatte.

© Süddeutsche.de/dpa/AFP/Reuters/rela/lala

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