"König von Israel" Der "König von Israel", heute haben ihn viele fast vergessen

Doch die acht Jahre in diesem Schattenreich haben dennoch ihre Spuren hinterlassen. Ariel Scharon, in dessen Leben sich sechs Jahrzehnte israelischer Geschichte spiegeln und den seine Anhänger einst als "Arik, König von Israel" gefeiert hatten, ist für die meisten Israelis im Reich des Vergessens verschwunden.

In seinem Amtszimmer in Jerusalem sitzt schon der zweite Nachfolger, und von Benjamin Netanjahu ist gewiss nicht zu erwarten, dass er dem Alten allzu große Ehre angedeihen lässt - jedenfalls nicht aus ehrlichem Herzen heraus. Denn am Ende hatten sich die beiden im Streit um den israelischen Rückzug aus dem Gazastreifen so gründlich zerstritten, dass Scharon sogar den einstmals von ihm mitbegründeten und heute von Netanjahu geführten Likud verließ und seine eigene Partei namens Kadima ins Leben rief.

Nach anderen großen Premierministern sind Straßen, Plätze und Autobahnen benannt. David Ben-Gurion ist als Staatsgründer in die Geschichte eingegangen, Jitzchak Rabin wird als Held verehrt, doch dass Scharon noch keinen Platz gefunden hat im Pantheon der Politik, liegt wohl nur vordergründig daran, dass nicht über sein Erbe geurteilt werden kann, solange er noch lebt. Das wirkliche Problem hat eher damit zu tun, dass Scharons Lebenswerk so zwiespältig erscheint.

Wird er als Politiker mit harter Hand in Erinnerung bleiben - oder als einer, der den Frieden suchte?

Soll man sich seiner erinnern wegen der Siedlungen, die er gebaut hat - oder wegen der Siedlungen, die er am Ende 2005 im Gazastreifen räumen ließ? Soll man dem erfolgreichen General huldigen, der in den Kriegen von 1967 und 1973 die entscheidenden Schlachten gewann und auch später als Politiker mit harter Hand gegen die Palästinenser vorging? Oder dem Mann, der ganz zum Schluss plötzlich einen Weg zum Frieden gesucht hat? Und wie geht man um mit den dunklen und blutigen Punkten in dieser Biografie: Mit dem Massaker in den libanesischen Flüchtlingslagern Sabra und Schatila 1982, für das Scharon damals als Verteidigungsminister eine Mitverantwortung zugewiesen wurde? Oder mit seinem höchst provokativen Spaziergang auf den Tempelberg, der im Jahr 2000 zum Auslöser der zweiten Intifada wurde.

Israel und die Palästinenser

Ein Konflikt, der nur Verlierer kennt

Doch so wichtig diese Fragen für die Nachwelt werden könnten, so bedeutungslos sind sie zumindest im Moment für die beiden Söhne. Omri und Gilad Scharon haben ihren Vater über all die Jahre im Koma mit größter Fürsorge begleitet, und immer wieder haben sie sich an Strohhalme geklammert. Zuletzt noch vor einem Jahr war bei einer neuartigen neurologischen Untersuchung eine "bedeutende Hirnaktivität" beim Patienten festgestellt worden.

Die Söhne fühlten sich bestärkt und bestätigt darin, dass sie ihrem Vater im Krankenzimmer stets Nachrichten vorlesen und Musik vorspielen. Am liebsten hört er Mozart. Aufgewacht aber ist er nicht mehr seit jenem Januar 2006. Und dennoch ließ Omri Scharon auch nun wieder vom Hospital aus wissen: "Wir haben noch Hoffnung. Wir haben immer Hoffnung."