"König von Israel" Ariel Scharons letzter Kampf

Jahrzehntelang prägte er Israel: Nach acht Jahren im Koma hat sich der Zustand von Ariel Sharon dramatisch verschlechtert.

Der frühere israelischen Premier ringt mit dem Tod. Ein Hirnschlag machte aus dem mächtigen Politiker einen hilflosen Patienten. Das politische Erbe Ariel Sharons bleibt auch nach acht Jahren im Koma zwiespältig.

Von Peter Münch, Tel Aviv

Viele Kämpfe hat er durchgestanden in seinem Leben, doch dies ist nun wohl sein letzter. Ariel Scharon, der als General und Politiker über Jahrzehnte Israels Schicksal mitbestimmt hat, liegt im Sterben. Genau genommen gilt das schon seit acht Jahren, denn so lange dämmert Scharon nach einem Hirnschlag bereits im Koma. Doch nun hat sich der Zustand des 85-Jährigen so verschlechtert, dass die Ärzte besorgte Bulletins veröffentlichen und die beiden Söhne Omri und Gilad rund um die Uhr am Krankenbett sitzen.

Im Klinikum Tel Haschamer nahe Tel Aviv, wo Scharon fast die gesamte Zeit seines Siechtums verbrachte, spricht der Direktor Seev Rothstein von "Schäden an mehreren Organen". Er kämpfe mit Infekten, und in den vergangenen Tagen habe sich sein Zustand dramatisch verändert. Prognosen aber will der Arzt nicht abgeben. "Ich bin kein Prophet", sagt er und verweist darauf, dass Scharon ein "robuster Mann" sei.

Acht Geburtstage im Koma

Das hat er wahrlich bewiesen in seinem Leben und auch in seinem schon so lange herausgezögerten Sterben. In seinem abgedunkelten Krankenzimmer hat er allen Voraussagen zum Trotz schon acht Geburtstage erlebt, seitdem er am 4. Januar 2006 mit einem Schlag vom mächtigen Premier zum hilflosen Patienten wurde.

Durch eine künstliche Sonde wird er ernährt, sonst braucht er keine Maschinen. In einer 2011 erschienenen Biografie über seinen Vater beschrieb Gilad Scharon, dass er "im Bett liegt wie ein Gutsherr" - mit rosigen Wangen und kein bisschen abgemagert. Im Gegenteil: "Er hat zugelegt", verkündete der Sohn. Dabei hatte der nicht gerade groß gewachsene Scharon schon 115 Kilo gewogen, als er ins Krankenhaus kam.