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Kirchen feiern Neujahr:Entdeckung der Jugend

Papst Benedikt XVI. setzt auf die "Baumeister des Friedens": Das Oberhaupt der katholischen Kirche bezeichnete die Erziehung Jugendlicher als Schlüssel zum Weltfrieden. Die Vermittlung fundamentaler Wertvorstellungen könne zu einer Zukunft der Hoffnung führen. Auch in anderen Glaubensgemeinschaften steht die Jugend im Vordergrund.

Papst Benedikt XVI. hat dazu aufgerufen, mit einer Erziehung zu Frieden und Gerechtigkeit jeder Intoleranz und Gewalt in der globalisierten Welt entgegenzusteuern. Angesichts der Schatten, die den Horizont der Welt verdunkelten, sollten die jungen Menschen zum friedlichen Zusammenleben, zum gegenseitigen Respekt und zum Dialog erzogen werden, sagte Benedikt in seiner Neujahrspredigt.

Papst Benedikt XVI.

Papst Benedikt XVI. nennt die Erziehung "das faszinierendste und schwierigste Abenteuer des Lebens".

(Foto: dpa)

Nur eine solide Erziehung zur Wahrheit und zu fundamentalen Werten befähige die jungen Generationen, auf die Kraft des Guten zu vertrauen, sagte der Papst am katholischen Weltfriedenstag im Petersdom in Rom. Und nur damit sei Hoffnung auf Zukunft möglich. Benedikts bereits vor Wochen veröffentliche Botschaft zum 45. Weltfriedenstag geht von der Erziehung als Aufgabe der gesamten Gesellschaft aus, Institutionen, Politik und Medien eingeschlossen. Im vergangenen Jahr sei die Enttäuschung über die Gesellschaft gestiegen; die Krise in Arbeits- und Finanzwelt habe aber nicht nur wirtschaftliche, sondern auch kulturelle Wurzeln, heißt es darin.

Jugend nicht aufgeben

Die Gerechtigkeit dürfe nicht der Nützlichkeit geopfert werden, und die Erziehung dazu sei dabei "das faszinierendste und schwierigste Abenteuer des Lebens", hält die päpstliche Friedensbotschaft fest.

Papst Paul VI. hatte sich erstmals am ersten Januar 1967 mit einer Friedensbotschaft an die Regierenden in aller Welt gewandt und darin den Neujahrstag zum katholischen Weltfriedenstag erklärt. Auch in seiner Vesper zum Jahresende hatte Benedikt am Vorabend im Petersdom vor allem von den jungen Generationen gesprochen, die die durch eine Wirtschafts- und Wertekrise vermehrt Orientierungslosigkeit spürten.

Diese Furcht teilt auch das Oberhaupt der anglikanischen Kirche, Erzbischof Rowan Williams. Er warnte in seiner Neujahrsbotschaft vor Feindseligkeit gegenüber jungen Menschen. Die Gesellschaft dürfe die Jugend trotz der "erschreckenden" Szenen bei den Unruhen in Großbritannien im vergangenen Sommer nicht aufgeben, betonte Williams in seiner vom britischen Sender BBC übertragenen Ansprache. Die Unruhen hätten dazu geführt, dass viele Menschen in Großbritannien Jugendlichen misstrauisch und feindselig begegneten und Konfrontationen fürchteten.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, hat am Neujahrstag dazu aufgerufen, Schmerzen und Leid nicht zu verdrängen. "Der Glaube an Gott garantiert nicht, dass wir von Leid verschont bleiben", sagte der Präses in seiner Predigt im ZDF-Neujahrsgottesdienst in der Dresdner Frauenkirche. Der Glaube gebe jedoch die Kraft, beharrlich für den Frieden zu arbeiten und zuversichtlich nach Gerechtigkeit zu suchen.

Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Grüne) rief zugleich zum Nachdenken über den Lebensstil in Deutschland auf. Angesichts von Rohstoffknappheit und Klimakrise dürfe man nicht weiter auf Kosten anderer leben, sagte die Grünen-Politikerin im Deutschlandfunk. Göring-Eckardt, die als Präses auch der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) vorsteht, sagte, es müsse überlegt werden, "was uns unser Lebensstil wirklich wert ist" - und auf was man verzichten könne. Ansonsten würden große Konflikte heraufbeschworen, "die wir dann überhaupt nicht mehr steuern können".

An diesem Sonntag ist auch das Europäische Jugendtreffen der Taizé-Bruderschaft in Berlin zu Ende gegangen. Beim Silvester-Abendgebet rief der Prior der ökumenischen Gemeinschaft, Bruder Alois, die Jugendlichen dazu auf, in ihren Heimatländern Verantwortung für eine gerechte Welt und die Bewahrung der Schöpfung zu übernehmen. Rund 30.000 junge Leute hatten an dem Treffen teilgenommen.