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Kinderarmut:Auf Dauer abgehängt

1,5 Millionen Kinder leben in Hartz-IV-Haushalten. Ihrer Not ließe sich beikommen, wenn die Gesellschaft nur wollte.

Von Edeltraud Rattenhuber

Mal ein Eis. Oder ins Schwimmbad. Kinderwünsche wie diese sind für die meisten Eltern kein Thema. In Hartz-IV-Familien aber wird jedes Bedürfnis außer der Reihe zum Drama. Kindern und Eltern wird so vor Augen geführt, dass sie nicht teilhaben können. Trotz täglichen Abstrampelns. Denn die meisten Eltern, die Hartz IV beziehen, arbeiten. Allerdings kommen sie nicht raus aus dem Gefängnis, das Hartz IV heißt. Entweder sie sind im Niedriglohnsektor beschäftigt und müssen aufstocken. Oder sie sind alleinerziehend und können nicht arbeiten, weil die Kinderbetreuung fehlt.

1,5 Millionen Kinder müssen daher täglich mit einem Stigma leben. Ihrer Armut könnte man beikommen - mit höherem Mindestlohn, mehr Betreuung oder verstärkter Förderung. Voraussetzung dafür wäre allerdings ein Bewusstseinswandel in der Gesellschaft. Zu sehr wird ein gewisser Prozentsatz an armen Menschen noch als quasi gottgegeben angesehen.

Kinder können nichts dafür, dass ihre Eltern arm sind. Eine Kindergrundsicherung würde das anerkennen und jene Chancengleichheit herstellen helfen, die in der UN-Kinderrechtskonvention gefordert wird. Die Zahlen, die der DGB gerade präsentiert hat, sprechen diesem Ziel allerdings Hohn. 1,5 Millionen Kinder in Deutschland sind abgehängt. Die meisten auf Dauer.

© SZ vom 07.02.2020
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