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Kämpfe auf Sinai-Halbinsel:Ägypten geht mit Luftwaffe gegen Extremisten vor

Die Lage im Grenzgebiet zwischen Ägypten und Israel droht zu eskalieren. Militante Dschihadisten fordern das ägyptische Militär heraus. Die Armee geht nun massiv gegen die Extremisten vor - und bezeichnet ihre Angriffe als "vollen Erfolg".

Ägyptens Militär hat den bewaffneten Extremisten auf der Halbinsel Sinai den Krieg erklärt. Kampfflugzeuge bombardierten am Mittwoch die Verstecke der Militanten und töteten nach Angaben aus Sicherheitskreisen mehr als 30 von ihnen. Den Luftangriffen waren in der Nacht zuvor neue bewaffnete Attacken der Extremisten auf insgesamt fünf Militär- und Polizeikontrollpunkte nahe der Grenze zu Israel und zum palästinensischen Gazastreifen vorausgegangen. Dabei waren mehrere Sicherheitsbeamte verletzt worden.

Die ägyptische Armee bezeichnete ihren Einsatz auf der Sinai-Halbinsel als "vollen Erfolg". Der seit Dienstagabend mit Unterstützung der Luftwaffe geführte Einsatz werde fortgesetzt, kündigte die Armee in einer am Mittwoch im Staatsfernsehen verlesenen Erklärung an. Der Einsatz habe das Ziel, "die Kontrolle zu gewährleisten und die Sicherheit wieder herzustellen, indem die bewaffneten terroristischen Elemente auf dem Sinai angegriffen und vertrieben werden".

Es handelt sich um den schwerwiegendsten bewaffneten Konflikt in Ägypten seit dem Sturz des langjährigen Präsidenten Husni Mubarak im Februar 2011. Im Inneren und im Norden des Sinai herrscht ein Sicherheitsvakuum, das sich seit dem Mubarak-Sturz noch verstärkte. Über Herkunft und Zugehörigkeit der Dschihadisten wird in Ägypten spekuliert. Das Militär machte dazu bislang nur Andeutungen. Demnach soll ein Teil von ihnen durch Schmugglertunnels aus dem Gazastreifen gekommen sein.

Ägyptische Experten sehen aber vor allem neue einheimische, radikal-islamistische Strömungen am Werk. In dem gesetzlosen Umfeld hätten sich demnach Gruppen von Dschihadisten etabliert, die sich an der extremistischen Ideologie und an den terroristischen Methoden der al-Qaida orientieren. Der Zugang zu Waffen sei wiederum durch den Umsturz im Nachbarland Libyen erleichtert worden. Die zahlreichen Milizen, die während des Aufstands gegen das Gaddafi-Regime entstanden waren, hätten einen Teil ihres Kriegsgeräts an überregional operierende Waffenhändler verkauft.

Bewaffnete töten 16 ägyptische Grenzposten

Bereits am Sonntag hatten Bewaffnete bei einem Überfall auf einen ägyptischen Grenzposten 16 Soldaten getötet. Danach waren einige von ihnen mit einem erbeuteten Panzerfahrzeug nach Israel eingedrungen, wo sie durch einen israelischen Luftangriff getötet wurden. Die Luftangriffe am Mittwoch seien in der Ortschaft Scheich Suwaid in der Nähe der Provinzhauptstadt Al-Arisch, geflogen worden, berichtete das Internetportal alahramonline. Starke Bodentruppen verfolgten zudem die Angreifer in einer gebirgigen Region südlich der Stadt. Nach Medienberichten zerstörte das Militär auch drei gepanzerte Fahrzeuge der Extremisten.

Der neue ägyptische Präsident Mohammed Mursi hat auf die Situation bereits auf seine Weise reagiert. Er entließ seinen Geheimdienstchef und den Gouverneur des nördlichen Teils der Sinai-Halbinsel. Zudem forderte das Staatsoberhaupt Verteidigungsminister Hussein Tantawi auf, den Kommandeur der Militärpolizei auszutauschen.

Angesichts der Gewalt auf dem Sinai rief Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) Israel und Ägypten zu Zurückhaltung auf. Westerwelle äußerte in Berlin "große Sorge" über die jüngsten Angriffe. Dort bestehe ein "erhebliches Eskalationsrisiko". Der Minister appellierte nach Angaben eines Sprechers deshalb an alle Seiten, entschieden gegen Terror vorzugehen, aber auch umsichtig zu bleiben.