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Kabinett von Obama:Warten auf die "Person des Jahres"

Trotz fehlender Erfahrung und eines "komischen Namens" wird er in einem Monat der neue US-Präsident - das reicht für das Time-Magazin, um Barack Obama zur "Person des Jahres" zu küren.

Das US-Magazin Time hat den künftigen US-Präsidenten Barack Obama zur "Person des Jahres 2008" gekürt. In die Endauswahl schafften es zudem US-Finanzminister Henry Paulson, Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy sowie die republikanische Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin und der chinesische Regisseur Zhang Yimou, der für die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Peking verantwortlich war.

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Obamas Kabinettl



"In einer der verrücktesten Wahlen der US-Geschichte hat er fehlende Erfahrung, einen komischen Namen, zwei Kandidaten, die politische Institutionen sind, und die Kluft zwischen den Rassen überwunden, um der 44. Präsident der Vereinigten Staaten zu werden", begründete die Time-Redaktion ihre Entscheidung für Obama. Damit folgt der frühere Senator aus Illinois dem jetzigen russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin nach, der 2007 als "neuer Zar Russlands" die Auszeichnung erhalten hatte.

Nachfolger von Bono, Stalin und Hitler

In den vergangenen Jahren waren der irische Rocksänger und Aktivist Bono, US-Präsident George W. Bush und Amazon.com-Gründer und -Chef Jeff Bezos ausgewählt worden. Doch neben US-Präsidenten, Staatslenkern wie Nikita Chruschtschow und Michail Gorbatschow und Persönlichkeiten wie Martin Luther King, Papst Johannes Paul II. und Lech Walesa wurden auch Despoten und Diktatoren auserwählt: 1938 Adolf Hitler und 1939 sowie 1942 Josef Stalin.

Anstatt die Time-Auszeichnung mit einem rauschenden Fest zu feiern, macht sich Barack Obama hingegen daran, seine Regierungsmannschaft zu vervollständigen: Kurz nachdem er den Physik-Nobelpreisträger Steven Chu zum Energieminister ernannt hatte, folgten neue Namen: Senator Ken Salazar wird neuer Innenminister und der frühere Gouverneur von Iowa, Tom Vilsack, wird sich um die Landwirtschaft kümmern.

Verteidigungsminister Robert Gates, den Obama von Vorgänger George W. Bush übernimmt, wird nicht der einzige Republikaner am Kabinettstisch sein: Der 63 Jahre alte Kongressabgeordnete Ray LaHood ist von Obama zum Verkehrsminister berufen worden. Die Nominierungen müssen noch vom Senat bestätigt werden.

Zudem soll die Finanzexpertin Mary Schapiro offenbar neue Leiterin der Börsenaufsicht SEC werden. Das verlautete aus Kreisen der Demokratischen Partei. Schapiro leitet derzeit die Regulierungsorganisation FINRA und gehörte zuvor der SEC sechs Jahre lang an - damals wurde sie von Ronald Reagan ernannt.

Schmäh-Mails gegen den künftigen Präsidenten

Obama wird als Präsident und "Mann des Jahres" aber noch einige Brücken bauen müssen, um das gespaltene Land zu einen. Die Behörden in Alaska ermitteln wegen rassistischer Schmähungen gegen den künftigen US-Präsidenten, die auf E-Mail-Konten des Staates verbreitet worden sind.

Die Nachrichtenagentur AP erhielt Kenntnis von fünf derartigen E-Mails und informierte die Behörden, die nach eigenen Angaben bis dahin nichts davon wussten. Eine Regierungssprecherin sprach von einem peinlichen Vorfall. Gouverneurin Sarah Palin, die Vizekandidatin von Obamas republikanischem Gegner John McCain, sei informiert worden.

Ein Sprecher Palins erklärte, offenbar handele es sich um einige wenige Mitarbeiter, die die Mails weitergeleitet hätten. Nach ersten Erkenntnissen wurden die Witze von außen geschickt und dann von Beamten weiterverbreitet.

© sueddeutsche.de/dpa/AP/Reuters/mati/bavo/gba
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