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Jugoslawien:Himmler Lobpreisung auf Tito

Das ist schade, denn ab dem zweiten Kapitel, der Zeit zwischen 1939 und 1945, erwacht die Biografie zum Leben. Die Deutschen, die Briten, die Sowjets, aber auch die kroatische Ustascha und die serbischen Tschetniks - gegen alle setzt sich Tito da durch, militärisch wie diplomatisch. Mit einigem Geschick lässt er sich nach dem Krieg von den Jugoslawen zum Ministerpräsidenten küren.

Das ist spannend beschrieben, auch gerade durch die Details. Darunter echte Fundstücke, zum Beispiel ein Zitat vom Reichsführer SS, Heinrich Himmler: "Er ist unser Feind, aber ich wünsche, dass wir ein Dutzend solcher Titos in Deutschland hätten . . . Er steht auf der Seite der Russen, Engländer und Amerikaner, aber er hat den Mut, sie zu verspotten und die Engländer und Amerikaner aufs Peinlichste zu erniedrigen."

Diese Spannung hält Pirjevec auch in den nächsten Lebensabschnitten. Wobei nicht ganz verständlich ist, weshalb die Aspekte, die dem Buch mehr Tempo gegeben hätten, als Exkurse vermerkt und nicht eingearbeitet sind. Das beginnt mit der Einführung, die von Titos Augen handelt, wie diese viele Menschen, die ihm begegnet sind, fasziniert haben. Oder mit dem Abschnitt "Verlockungen" über die Sucht Titos nach Status und Anerkennung; ähnlich der "Exkurs" über Tito und seine Frauen. Das ist interessant und bei einem Staatschef auch politisch. Pirjevec behandelt es jedoch so, als könnte es die laufende Erzählung entwürdigen.

Pirjevec' Buch reiht sich in einen ganzen Reigen von Tito-Biografien aus den vergangenen Jahrzehnten ein. Der weitaus größte Teil davon ist politisch motiviert. Entweder um Tito zu huldigen oder um das Bild von ihm zu zerstören. Der Diktator hat nie eine Autobiografie geschrieben, das haben andere für ihn erledigt. Zum Beispiel sein Weggefährte Vladimir Dedijer, der Anfang der 1950er-Jahre eine "autorisierte" Hagiografie vorlegt.

Jože Pirjevec: Tito. Die Biografie. Übersetzt von Klaus Detlef Olof. Verlag Antje Kunstmann, München 2016, 720 Seiten, 39,95 Euro.

Auch Phyllis Auty, eine Universitätsdozentin aus London, kann sich in der ersten Tito-Biografie westlicher Geschichtsschreibung einer Heiligsprechung kaum entziehen. In ihrem 1972 veröffentlichten Buch charakterisiert sie Tito als "hervorragendste Persönlichkeit, die der europäische Kommunismus außerhalb der Sowjetunion hervorgebracht hat", er sei "offen und furchtlos".

Erst Milovan Djilas, einst ebenfalls ein Weggefährte Titos, dann aber prominenter Jugoslawien-Dissident, räumt mit der Vorstellung vom gütigen Diktator auf. "Tito, eine kritische Biografie" erscheint 1980 direkt nach dem Tod des Marschalls und beschreibt ihn als einen Menschen, der seinem persönlichen Machtstreben alles unterordnete. Djilas eröffnet damit eine ganze Reihe an kritischen Betrachtungen Titos, die nun versuchen, den Helden zu dekonstruieren.

Eine Art Konterrevolution, die - so eine Hoffnung - durch Titos vierte Frau noch einmal befeuert werden würde. Jovanka Broz hatte besonders in den letzten Jahren Titos massiv versucht, Einfluss auf die Staatsführung zu nehmen. Die Beziehung der beiden endete im Zerwürfnis. Trotzdem hatte Jovanka Broz, als sie 2013 ihren Lebensbericht vorlegte, nur Gutes über den verstorbenen Mann zu erzählen.

Noch immer sind blinde Flecken zu finden

Spätestens seit ihrem Buch gilt Tito als auserzählt. Seine Biografen haben ihm überlebensgroße Statuen gezimmert und ihn vernichtet. "Jetzt klammert sich jeder an das, was neu klingt", sagt Alojz Ivanišević, Professor am Institut für Osteuropäische Geschichte in Wien. Doch tatsächlich werde kaum Neues berichtet. Dabei sind im Leben Titos einige blinde Flecken zu finden. Seine Zeit im Moskauer Exil in den 1930er-Jahren zum Beispiel. Hier wurde nie eindeutig geklärt, ob er nicht abtrünnige Genossen an die Sowjet-Führung verraten hat.

Auch seine Rolle bei der Unterdrückung und Ermordung von Oppositionellen ist nicht wirklich geklärt. Bekannt ist, dass die Partisanen den Zweiten Weltkrieg und auch die Zeit unmittelbar danach genutzt haben, um Hunderttausende umzubringen. Auf Goli Otok, der "Nackten Insel" in der Adria, wurden bis in die 1970er-Jahre von der jugoslawischen Geheimpolizei Zehntausende sogenannter Staatsfeinde interniert, gefoltert und auch getötet.

Was Tito von der brutalen Repression genau wusste, das ist jedoch bis heute kaum beschrieben. Auch Pirjevec klärt es nicht auf. Das kann tatsächlich daran liegen, dass die Unterlagen des jugoslawischen Geheimdienstes nicht zugänglich sind. Vielleicht liegt es jedoch daran, dass auch Pirjevec Tito etwas verklärt sieht. Er sei mit einigen seiner Leute eng befreundet, sagt Pirjevec: "Ich verstehe die Umgebung, die Mentalität."

So liefert "Tito. Die Biografie" keine grundlegend neuen Einsichten. Das mag für den Osteuropa-Kenner unbefriedigend sein. Pirjevec' Buch ist aber einer der wenigen ernst zu nehmenden Lebensberichte über den jugoslawischen Staatschef, die auf Deutsch vorliegen. Das ist mit ein Verdienst des Übersetzers Klaus Detlef Olof.

Und wie sehr sich die jahrelange Recherche Pirjevec' auszahlt, zeigt auch eine kleine Sequenz über eines der ersten Treffen Titos mit Stalin. Dabei sagt der sowjetische Diktator zu ihm: "Weshalb haben Sie Augen wie ein Luchs? Das ist nicht gut. Sie müssen mit den Augen lachen. Und dann mit dem Messer in den Rücken!"

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