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Israelkritik:Direktor des Jüdischen Museums Berlin tritt zurück

Fünf Jahre lang war Peter Schäfer Direktor des größten Jüdischen Museums in Europa.

(Foto: AP)
  • Peter Schäfer, der Direktor des Jüdischen Museums Berlin, ist von seinem Amt zurückgetreten.
  • Das Museum teilte mit, er wolle damit weiteren Schaden vom Museum abwenden.
  • Zuvor hatte es mit dem Zentralrat der Juden in Deutschland Streit wegen eines Tweets gegeben. In diesem Zusammenhang wurde die Pressesprecherin des Museums nach SZ-Informationen mit sofortiger Wirkung freigestellt.

Der Direktor des Jüdischen Museums Berlin, der Judaistik-Professor Peter Schäfer, ist am Freitagabend mit sofortiger Wirkung von seinem Amt zurückgetreten. Der 75-Jährige war fünf Jahre an der Spitze des größten jüdischen Museums Europas gestanden. Mit seinem Schritt, ließ er Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) wissen, wolle er weiteren Schaden von dem Haus abwenden. Schon am 20. Juni wird der Stiftungsrat des Museums zu einer Sondersitzung zusammenkommen. Die operative Leitung des Museums übernimmt dessen Geschäftsführender Direktor Martin Michaelis.

Schäfers Rücktritt kommt nicht ganz überraschend. Der Streit, wie mit der anti-israelischen Boykottbewegung BDS umgegangen werden soll, hatte das Jüdische Museum in den vergangenen Tagen erneut in die Schlagzeilen gerückt. Der Zentralrat der Juden in Deutschland hatte einen Präzedenzfall geschaffen und den Kontakt zu dem Museum abgebrochen. In einem Tweet hatte Josef Schuster, der Präsident des Dachverbandes aller jüdischen Gemeinden in Deutschland, geschrieben: "Das Maß ist voll. Das Jüdische Museum Berlin scheint gänzlich außer Kontrolle geraten zu sein. Unter diesen Umständen muss man darüber nachdenken, ob die Bezeichnung 'jüdisch' noch angemessen ist. Das Vertrauen der jüdischen Gemeinschaft hat die Leitung des Hauses verspielt." Es dränge sich die Frage auf, ob der Direktor "seiner Aufgabe noch gewachsen ist".

Anlass des Furors war diesmal allerdings ein Tweet vom offiziellen Twitter-Account des Jüdischen Museums Berlin. Darin hatte die Pressestelle des Museums ohne Wissen Schäfers unter dem Hashtag #mustread eine Leseempfehlung für einen taz-Artikel gegeben, in dem es um die Kritik von 240 jüdischen und israelischen Wissenschaftlern an einem Beschluss des Bundestages geht. Die Parlamentarier hatten mehrheitlich vor Kurzem die BDS-Bewegung als antisemitisch verurteilt. BDS (Boycott, Divestment, Sanctions) ist ein schwer durchschaubares globales Geflecht aus 171 Gruppen, die ein Ende der israelischen Besatzung und unter anderem den Boykott israelischer Waren fordern. Israels Botschafter in Berlin, Jeremy Issacharoff, hatte den Tweet als "beschämend" bezeichnet.

Der Tweet, der von der Pressestelle des Museums verfasst worden war, zitierte aus dem Schreiben der Wissenschaftler den Satz "Der Beschluss der Parlamentarier hilft im Kampf gegen den Antisemitismus nicht weiter" - allerdings ohne die Anführungszeichen, weshalb der Satz als Meinungsäußerung des Museums verstanden wird. Nach SZ-Informationen wurde die Pressesprecherin mit sofortiger Wirkung freigestellt. Mitarbeiter des Museums äußerten sich im Gespräch mit der SZ entsetzt über die Freistellung und sprachen von einem "Bauernopfer", das von der verfehlten Museumsführung durch Schäfer ablenken solle. Schäfer wollte den Vorgang vor seinem Rücktritt am Abend nicht kommentieren.

Der Unmut bei jüdischen und israelischen Institutionen über das Museum war in jüngster Zeit groß. Zuletzt wurde dem Haus sogar vorgeworfen, es hofiere Israels Erzfeind Iran. Im März hatte Peter Schäfer den Kulturrat der Republik Iran, Seyed Ali Moujani, durch sein Museum geführt. Die Begegnung war auf der Internetseite der iranischen Botschaft dokumentiert worden. Schäfer wurde nach dem Treffen mit den Worten zitiert, die Gleichsetzung von Antizionismus und Antisemitismus müsse "unter die Lupe genommen" werden. Ein paar Tage später wurde ein Foto von der Begegnung und der Bericht darüber auf Bitten des Jüdischen Museums von der Botschafts-Internetseite entfernt. Gegenüber Spiegel Online hatte Schäfer eingeräumt: "Das war eine Dummheit von mir, den zu empfangen."

Man brauche jetzt "eine junge Frau, die ein Museum leiten kann", sagt eine Mitarbeiterin

Das Museum hat auch schon Israels Ministerpräsident erzürnt. In einem Brief hatte Benjamin Netanjahu im vergangenen Jahr die Bundesregierung gebeten, dem Museum die öffentliche Unterstützung zu entziehen, unter anderem wegen der Ausstellung "Welcome to Jerusalem", die gerade zu Ende gegangen ist. Diese zeige ein anti-israelisches, pro-palästinensisches Bild, schrieb Netanjahu. Dabei präsentierte die Ausstellung nach Auffassung der meisten Kritiker auf anschauliche, nicht wertende Art den verwirrenden, hochkomplexen Status quo einer umkämpften Stadt mit Kunstwerken, Objekten, Fotos, Dokumenten und Filmen. Die Bundesregierung ignorierte Netanjahus Appell.

Ebenfalls im vergangenen Jahr geriet Schäfer unter Beschuss, als er auf Druck der israelischen Botschaft in Berlin den Vortrag des in den USA lebenden palästinensischen Friedensforschers Sa'ed Atshan über den Alltag von Homosexuellen in Ostjerusalem an einen anderen Ort verlegte. Der Botschafter hatte behauptet, Atshan sympathisiere mit der BDS. Schäfers Verlegung war unter den Mitarbeitern des Museums umstritten. Viele warfen dem Direktor vor, er habe dem Druck einfach nachgegeben, statt Haltung zu zeigen.

Schäfer hatte gerade erst seinen Vertrag um ein weiteres Jahr verlängert. Stets hat er betont, Offenheit sei "gelebte Wirklichkeit" des Jüdischen Museums. Zu der Wirklichkeit gehört aber auch, dass der 75 Jahre alte Schäfer, der jahrelang an der Universität Princeton das Studienprogramm für Judaistik geleitet und grundlegende Texte der jüdischen Tradition übersetzt und herausgegeben hat, von vielen Mitarbeitern als unglückliche Wahl betrachtet wird. Eine Mitarbeiterin formuliert es so: "Was wir jetzt brauchen, ist eine junge jüdische Frau, die ein Museum leiten kann."

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes hieß es, die Pressesprecherin des Jüdischen Museums habe den umstrittenen Tweet verfasst. Wir haben diese Darstellung korrigiert.

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