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Hongkong:Aktivist Joshua Wong erneut zu Haftstrafe verurteilt

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Joshua Wong während des Wahlkampfs im Juli

(Foto: Joshua Wong/imago images)

Der bekannte Kritiker der Peking-treuen Regierung muss für 13,5 Monate ins Gefängnis. Auch zwei seiner Mitstreiter werden zu mehreren Monaten Haft verurteilt.

Der prominente Hongkonger Aktivist Joshua Wong und zwei seiner Mitstreiter sind für das Organisieren eines Protests zu Gefängnisstrafen verurteilt worden. Ein Hongkonger Gericht verurteilte Wong am Mittwoch zu einer Haftstrafe von 13,5 Monaten.

Die ebenfalls bekannten Aktivisten Agnes Chow und Ivan Lam müssen für zehn beziehungsweise sieben Monate ins Gefängnis. Die drei Demokratie-Aktivisten hatten zuvor gestanden, im Juni des Vorjahres, als es in Hongkong beinahe täglich Proteste gegen die Regierung gab, an der Organisation einer nicht genehmigten Versammlung vor dem Hongkonger Polizeipräsidium mitgewirkt zu haben. Bei der Versammlung am 21. Juni 2019 hatten Tausende Menschen das Polizeihauptquartier umrundet. Sie protestierten gegen Gewalt von Polizisten an Demonstranten und zudem gegen einen Gesetzentwurf zur Auslieferung von verdächtigen Straftätern nach China. Die Vorlage ist mittlerweile vom Tisch.

Für Wong ist es die dritte Gefängnisstrafe, seit er sich in Hongkong für die Demokratiebewegung engagiert. Der 24-Jährige hatte bereits als Teenager Proteste organisiert. Nach den 2014 ausgebrochenen "Regenschirm-Protesten" für mehr Demokratie musste er zweimal mehrere Monate in Haft verbringen. Nach der Verurteilung veröffentlichte Wong über seinen Anwalt eine Erklärung auf Twitter. "Es ist nicht das Ende des Kampfes", sagte Wong demnach. Er werde die Schlacht gemeinsam mit vielen anderen Demonstranten weniger sichtbar aus dem Gefängnis fortsetzen.

Wong hatte mit der nun verhängten Gefängnisstrafe im Vorfeld gerechnet. Nach einem Brief, den der Aktivist am Dienstag auf seiner Facebook-Seite veröffentlichen ließ, musste er nach seiner Einweisung in die Untersuchungshaft die Tage in einer Einzelzelle bei ständig eingeschaltetem Licht verbringen. Er habe seinen Mundschutz über die Augen ziehen müssen, um schlafen zu können. Er fühle sich angesichts der Unsicherheiten "unwohl und ängstlich", schrieb Wong weiter. Er hoffe aber, die Schmerzen und Leiden, denen er im Gefängnis begegne, in Kraft verwandeln zu können. "Ich weiß, dass es niemals einfach sein wird, aber ich werde mein Bestes geben." Er forderte seine Anhänger dazu auf, weiterzukämpfen.

Das Trio Wong, Chow, Lam ist auch international für sein Eintreten für Demokratie in Hongkong bekannt. In den vergangenen Monaten hat die Volksrepublik die Kontrolle über die Sonderverwaltungszone verschärft. Seit Sommer dieses Jahres ist ein umstrittenes, sogenanntes Sicherheitsgesetz in Kraft, mit dem laut Kritikern hart gegen Demonstranten und Oppositionelle durchgegriffen werden soll.

© SZ/dpa/ap/bix/mkoh
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