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Jemen:Warnung vor einer Hungersnot

Die humanitäre Hilfe für Jemen steht vor drastischen Einschnitten: Eine von den UN und Saudi-Arabien einberufene Geberkonferenz für das Bürgerkriegsland bleibt weit hinter den Spendenzielen zurück.

Von Paul-Anton Krüger

Eine internationale Geberkonferenz für humanitäre Hilfe im vom Bürgerkrieg zerstörten Jemen hat ihr Ziel deutlich verfehlt. Statt der angestrebten 2,4 Milliarden Dollar kamen bei der von den vereinten Nationen und Saudi-Arabien ausgerichteten virtuellen Veranstaltung am späten Dienstagabend lediglich 1,35 Milliarden Dollar an Zusagen zustande. Die UN-Nothilfekoordinatorin für Jemen, Lise Grande, hatte gewarnt, wenn weniger als 1,6 Milliarden Dollar bereitgestellt würden, werde das "katastrophale Einsparungen" nach sich ziehen. "Wir werden dann nicht mehr die Lebensmittel bereitstellen können, die die Menschen zum Überleben brauchen", sagte sie vor der Konferenz.

Der UN-Nothilfekoordinator Mark Lowcock äußerte sich enttäuscht darüber, dass nicht die benötigte Summe zusammengekommen ist. Im vergangenen Jahr sei bei einer solchen Konferenz etwa das Doppelte an Finanzierungszusagen gemacht worden, sagte er. Lowcock betonte, dass die Vereinten Nationen ihre Bemühungen für weitere Spenden fortsetzen werden. "Wir werden die Menschen im Jemen nicht im Stich lassen." Die zugesagten Gelder müssten so bald wie möglich übermittelt werden, mahnte er zugleich. 80 Prozent der mehr als 30 Millionen Jemeniten sind auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Saudi-Arabien hatte 500 Millionen Dollar zugesagt und ist damit der größte Geber. Das Königreich sieht sich aber Kritik von Menschenrechtlern ausgesetzt, durch seine Kriegsführung maßgeblich für das Elend in dem Nachbarland verantwortlich zu sein. Riad steht an der Spitze einer Militärkoalition, die der international anerkannten Regierung von Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi wieder die Kontrolle über das gesamte Land verschaffen will. Allerdings unterstützen die Vereinigten Arabischen Emirate, das zweite wichtige Mitglied der Koalition, im Süden des Landes separatistische Gruppen, die sich Kämpfe mit Hadis Truppen liefern. Großbritannien, das Waffen und Munition an Saudi-Arabien liefert, sagte umgerechnet 225 Millionen Dollar zu, die Bundesregierung stellt 125 Millionen Euro bereit.

© SZ vom 04.06.2020

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