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Jahrestag von Überfall auf Sowjetunion:Putin zieht Parallelen zwischen 1941 und heute

Wladimir Putin

Seit 2000 der starke Mann in Russland: Wladimir Putin

(Foto: dpa)
  • Vor 75 Jahren hat Hitler-Deutschland die Sowjetunion überfallen - es war der Beginn eines Vernichtungskrieges, der allein mehr als 26 Millionen Sowjetbürgern das Leben kostete.
  • Am Jahrestag kritisierte Russlands Präsident Putin die Politik des Westens und der Nato. Der Kremlchef verglich die Situation des Jahres 1941 mit der Gegenwart.
  • Bundespräsident Gauck erinnerte an die Opfer der deutschen Invasion. Die Bundesregierung sprach von einem "brutalen Rassenkrieg" des Nazi-Regimes.

Die belasteten Beziehungen zwischen Moskau und dem Westen überschatten das Gedenken an den Überfall der Sowjetunion durch die deutsche Wehrmacht vor 75 Jahren. Am Jahrestag der Invasion warf der russische Präsident Wladimir Putin der Nato eine zunehmend aggressive Rhetorik vor.

Mit Blick auf den Überfall Nazi-Deutschlands am 22. Juni 1941 zog der russische Staatschef in Moskau Parallelen zur gegenwärtigen Lage. Der Westen weise Angebote aus Moskau zum gemeinsamen Kampf gegen den "internationalen Terrorismus" zurück - so wie er einst die Warnungen der Sowjetunion vor Adolf Hitler ignoriert habe. Nun werde versucht, Russland wegen der Ukraine-Krise zu isolieren, so Putin.

Der Kremlchef erwähnte allerdings nicht, dass die Sowjetregierung mit dem NS-Regime fast zwei Jahre gemeinsame Sache gemacht hatte: Mit dem Hitler-Stalin-Pakt vom August 1939 hatten die beiden Diktatoren Osteuropa unter sich aufgeteilt. Nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges verleibten sich Deutschland und die Sowjetunion das besiegte Polen je zur Hälfte ein, Stalin ließ auch das Baltikum besetzen.

Berlin spricht von unermesslichem Leid

Mit dem Überfall von Hitler-Deutschland auf die Sowjetunion nahm der Zweite Weltkrieg vor 75 Jahren eine neue, noch grausamere Wendung: Die Invasion war von der Reichsregierung von Beginn an als gnadenloser und umfassender Vernichtungskrieg konzipiert worden.

Die Bundesregierung erklärte nun, man werde nie vergessen, welch unermessliches Leid damals über die Völker der Sowjetunion gebracht wurde. Eine Regierungssprecherin sprach in Berlin von einem "brutalen Rassen- und Vernichtungskrieg".

Auch der Bundespräsident äußerte sich zu dem Überfall, der von den Nazis "Unternehmen Barbarossa" genannt wurde. Joachim Gauck erinnerte an die mehr als 26 Millionen Sowjetbürger, die zwischen 1941 und 1945 ums Leben gekommen waren: "Kein Land hat im Zweiten Weltkrieg so große Opfer gebracht wie die Sowjetunion", schrieb Gauck in einer Erklärung. "Wir blicken zurück auf die barbarische Politik des nationalsozialistischen Deutschland, die von Rassenwahn und Herrenmenschentum geleitet war".

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Beim Vormarsch der Roten Armee und später im sowjetischen Machtbereich sei neues Unrecht begangen worden, erklärte Gauck - ein Hinweis auf die von Sowjetsoldaten begangenen Gräuel und Vergewaltigungen. Dies ändere aber nichts am "großen, unersetzlichen und unvergesslichen Anteil" der Völker der Sowjetunion am Sieg über den Nationalsozialismus. Zugleich nutzte der Bundespräsident den Jahrestag zur Mahnung. "Frieden ist nicht selbstverständlich."

In Russland stellten viele Bürger zur Stunde des Überfalls um 3 Uhr morgens (MESZ) eine brennende Kerze ins Fenster. Präsident Putin wollte am Grabmal des unbekannten Soldaten einen Kranz niederlegen.

Im russischen Parlament gedachten die Abgeordneten schweigend der sowjetischen Opfer. In Moskau, am zentralen Denkmal für den Großen Vaterländischen Krieg, wie der Zweite Weltkrieg in Russland genannt wird, hielten junge Russen in historischen Uniformen Wache.

Die Ukraine und Weißrussland, die damals von der Wehrmacht ebenfalls überrannt wurden, gedachten der Millionen Opfer. In der Ukraine erinnerte Präsident Petro Poroschenko daran, dass sein Land Opfer des Nationalsozialismus wie des Stalinismus gewesen sei.

Steinmeier und Lawrow vereinbaren Projekt zu Kriegsgefangenen

Der Bundestag setzte zum Gedenken eine Debatte mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) als Hauptredner auf die Tagesordnung. Zusammen mit Russlands Außenminister Sergej Lawrow vereinbarte Steinmeier zuvor ein neues Projekt, mit dem die bislang bekannten Daten von Kriegsgefangenen digitalisiert und in Datenbanken zusammengeführt werden. Deutschland übernimmt die Finanzierung. Die Grünen fordern nach einem Bericht der Funke Mediengruppe die offizielle Anerkennung der sowjetischen Kriegsgefangenen als Opfer des NS-Regimes.

Während des Kriegs kamen nach offiziellen Angaben insgesamt mehr als 8,8 Millionen Soldaten in Gefangenschaft - mehr als 5,7 Millionen Angehörige der Roten Armee und mehr als 3,1 Millionen der Wehrmacht. In deutscher Gefangenschaft starben mehr als drei Millionen Sowjetsoldaten. Die Zahl der Deutschen, die in sowjetischer Haft starben, wird auf mindestens 1,1 Millionen geschätzt.

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