Italien:Doppelt exponiert

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Ist Italien bereit, wenn sich das logische Planspiel als Tatsache erweisen sollte und sich die See in den schöneren, wärmeren Monaten beruhigt? Unlängst forderte die Regierung die Regionen auf, bis Ende des Jahres 2016 Unterkünfte für 50 000 zusätzliche Flüchtlinge bereitzustellen. Die landesweite Gesamtkapazität läge dann bei etwa 160 000. Ist das genug?

Die Italiener fordern nun, dass nicht nur sie mit Albanien verhandelten und zusammen mit den Albanern gegen die Schlepperbanden in der Gegend vorgingen, sondern die Europäische Union als Ganzes, wie diese das auch mit der Türkei tue. "Albanien", sagt Alfano, "ist nicht nur unsere Angelegenheit."

Die Sorge, mit Albanien alleingelassen zu werden, ist umso größer, als Italien doppelt exponiert ist. Noch immer ist die Route durch das zentrale Mittelmeer, jene über die Straße von Sizilien von Libyen nach Lampedusa und Sizilien, die weitaus wichtigste: "Fast alle Migranten, die in Italien ankommen", sagt Alfano, "nämlich mehr als 90 Prozent, legen in Libyen ab." Auch darum sei es so zentral, dass die internationale Gemeinschaft endlich Wege finde, um Libyen politisch bald zu stabilisieren.

Neuerdings erreichen auch vermehrt Migranten auf dem Landweg Italien, vor allem Menschen aus Afghanistan und Pakistan: Die meisten sind auf dem Rückweg aus Österreich. Von den insgesamt 9300 Einwanderern, die das italienische Innenministerium in den ersten zweieinhalb Monaten dieses Jahres überall im Land registriert hat, gehören fast 1700 zu diesen Rückkehrern, die es schon einmal in den Norden geschafft hatten. Ob ihre Chancen auf Asyl in Italien größer sind, ist jedoch höchst ungewiss.

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