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Islamischer Staat:IS-Anführer droht Israel in neuer Audio-Botschaft

Abu Bakr al-Bagdadi

IS-Anführer al-Baghdadi: Bei der Botschaft handelt es sich um seinen bislang direktesten Aufruf zu Anschlägen in Israel.

(Foto: dpa)
  • Der Anführer des selbsternannten Islamischen Staates droht in einer neuen Ansprache mit Anschlägen in Israel.
  • Die Rede selbst wird von Terrorismus-Experten als "wenig überzeugend" analysiert. Es sei ein Versuch, die Truppenmoral zu stärken.
  • Der IS hat seit Jahresbeginn 14 Prozent des Gebietes verloren. Aktuell kämpft der IS um die irakische Stadt Ramadi.

Palästina werde Israel "zum Grab"

In einer neuen Audio-Botschaft hat IS-Führer al-Baghdadi Israel gedroht: "Die Juden dachten, dass wir Palästina vergessen haben und sie uns ablenken konnten. Das ist nicht der Fall", sagte er nach Angaben der israelischen Webseite Ynet. Demzufolge drohte Baghdadi damit, dass die IS-Miliz immer näher rücke und Palästina "ein Grab" für Israelis werden würde. Da der IS den Staat Israel nicht als solchen anerkennt, spricht al-Baghdadi von Palästina.

Noch ist unklar, wann der Anführer des selbsternannten Islamischen Staates die Botschaft aufgenommen hat. Nach Angaben von Analysten handelt es sich bei der Botschaft um den bis dato direktesten Aufruf des IS, Anschläge in Israel durchzuführen.

"Wartet - wir warten mit euch"

Site Intel, eine Gruppe, die sich mit den Botschaften des IS auseinandersetzt, teilte über Twitter mit, dass die Botschaft den Titel "Wartet. Auch wir warten mit euch" trägt. Dieser Titel scheint eine aus dem Koran übernommene Stelle zu sein. Der IS stilisiert sich in seinen Botschaften als Organisation, die den Koran literal auslegt, also ausschließlich wörtlich.

Al-Baghdadi behauptet, dass westliche Staaten "sich nicht trauen" würden, Truppen in die vom IS kontrollierten Gebiete zu schicken. Sie würden stattdessen "Apostaten" schicken, also Ungläubige. Damit gemeint sind in aller Regel Menschen, die weder an Bibel, Tora noch an den Koran glauben. Schiiten sind Muslime, die an den Koran glauben sowie an den Propheten der Muslime, Mohammed. Der IS akzeptiert dies jedoch nicht und bezeichnet die Schiiten als "Apostaten". (Was Schiiten und Sunniten trennt, können Sie in diesem Text nachlesen.) Auch die Jesiden werden als Ungläubige betrachtet.

Mehrere Terrorismus-Experten haben auf die Analyse von Iyad El-Baghdadi verwiesen. Baghdadi, ein Aktivist während der Umstürze im arabischen Raum, lebt mittlerweile in Oslo. Er kommt in seiner Analyse zum Schluss, dass die Rede als Folge mehrerer Niederlagen des IS zu verstehen ist: "Die Botschaft soll die Moral der Soldaten und Unterstützer steigern", schreibt der Aktivist.

Anschläge in Paris werden nicht erwähnt

Die Botschaft an sich sei "unspektakulär", schreibt Charlie Winter, der sich ausführlich mit der Propaganda des IS auseinandergesetzt hat. Shiraz Maher, der ebenfalls seit Jahren den IS beobachtet, kommt zu einem ähnlichen Urteil: "nicht gerade überwältigend".

Islamischer Staat Kopf des Kalifats
IS-Anführer al-Bagdadi

Kopf des Kalifats

Er gilt als der gefährlichste Terrorist der Welt: Recherchen von SZ und ARD bringen Details aus der Vergangenheit des selbsternannten Kalifen Abu Bakr al-Bagdadi ans Licht. Sie zeigen, wie aus einem Doktor der Theologie der Anführer des Islamischen Staats wurde.

Ob die Dschihadisten über die Fähigkeit verfügen, einen Anschlag in Israel durchzuführen, ist unklar. Auffällig sei vielen Experten zufolge, dass weder die Anschläge in Paris noch jene auf das russische Passagierflugzeug erwähnt werden.

Heftige Gefechte in Ramadi

Im Zentrum der irakischen Stadt Ramadi haben sich Regierungstruppen und Kämpfer der Dschihadistenmiliz am Samstag heftige Gefechte geliefert. Besonders umkämpft sei eine strategisch wichtige Straßenkreuzung nahe des Amtssitzes der Provinzregierung, hieß es aus der Armee und von lokalen Behördenvertretern. Die Regierungstruppen wollen den IS aus Ramadi vertreiben.

Die Einnahme der Straßenkreuzung im Viertel Hos ist entscheidend, um Ramadi komplett kontrollieren zu können. Am Samstag kontrollierten die Dschihadisten noch einige Viertel der Stadt. Der IS hatte Ramadi in der Provinz Anbar im Mai erobert. Anfang Dezember erkämpfte die Armee, die von Kampfflugzeugen der internationalen Militärallianz unterstützt wird, mehrere große Stadtteile zurück. Am Dienstag rückte sie ins Stadtzentrum vor, seitdem stockte der Vormarsch aber vor allem aufgrund von Sprengfallen und Heckenschützen.

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Sollte der IS aus Ramadi vertrieben werden, wäre dies ein schwerer Verlust für die Dschihadisten. Sie haben laut einem US-Institut seit Jahresbeginn 14 Prozent ihres Gebiets in Syrien und im Irak verloren.

Text wurde aktualisiert, um genauer zu beschreiben, wie IS-Anhänger "Ungläubige' definieren.