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Atomstreit:Iran kündigt Bau verbesserter Uran-Zentrifugen an

Iran: Ali Akbar Salehi, Chef der iranischen Atombehörde, möchte die Uran-Anreicherung im Iran mit verbesserten Zentrifugen vorantreiben.

Der Chef der iranischen Atombehörde, Ali Akbar Salehi, kündigt verstärkte Aktivitäten bei der Urananreicherung an (Foto von 2016).

(Foto: REUTERS)
  • Iran kündigt den Bau leistungsstärkerer Zentrifugen zur Urananreicherung an.
  • Teheran betont jedoch, dass es damit den Rahmen des 2015 geschlossenen Atomabkommens nicht überschreite.
  • Israel reagiert umgehend auf die Ankündigung und droht mit einem Angriff.

Iran hat nach eigener Darstellung mit den Vorbereitungen zum Bau leistungsstärkerer Zentrifugen zur Urananreicherung begonnen. Der Chef der iranischen Atombehörde, Ali Akbar Salehi, sagte, zunächst sei am Dienstag mit dem Aufbau der Infrastruktur zum Bau der Zentrifugen begonnen worden. Die iranischen Aktivitäten hielten sich aber weiter im Rahmen des 2015 mit den fünf UN-Vetomächten und Deutschland geschlossenen Atomabkommens, versicherte Salehi.

Zuvor hatte der politische und religiöse Führer Irans, Ali Chamenei, angekündigt, im Falle eines Scheiterns des Atomabkommens die Kapazitäten zur Urananreicherung zu erhöhen. "Unsere Feinde können unseren nuklearen Fortschritt niemals aufhalten", hatte er in einer im Fernsehen übertragenen Rede erklärt.

Noch am Dienstag wollte das Land in einem Brief an die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEA) ankündigen, ab sofort die Produktionskapazitäten für Uranhexafluorid zu erhöhen, einen Ausgangsstoff für die Herstellung atomarer Brennelemente.

Israel regiert mit Drohungen

Die israelische Regierung reagierte umgehend auf die Ankündigung aus Teheran: Sie verurteilte die angekündigten Schritte und drohte Iran mit einem militärischen Angriff. Regierungschef Benjamin Netanjahu sagte in einer Videobotschaft, Iran wolle "ein Arsenal von Atombomben" produzieren, um Israel zu zerstören. "Wir sind nicht überrascht. Wir werden Iran nicht gestatten, sich Nuklearwaffen zu verschaffen." Israel hat immer wieder bezweifelt, dass Teheran sich an das Atomabkommen hält. Ende April behauptete Netanjahu, Beweise dafür zu haben, dass Iran weiterhin an seinem Atomprogramm arbeite.

Geheimdienstminister Yisrael Katz sagte, wenn die Führung in Teheran ihr Programm zur Entwicklung von Atomwaffen wieder aufnehme, werde "eine internationale Koalition unter US-Führung Iran vorwarnen und dann militärisch angreifen". Verteidigungsminister Avigdor Lieberman nannte die Ankündigung Teherans "ein Zeichen von Massenhysterie und Panik innerhalb der iranischen Führung".

Im Atomabkommen von 2015 hatte Iran sich im Gegenzug für die Aufhebung von Wirtschaftssanktionen verpflichtet, nicht mehr auf den Bau einer Atombombe hinzuarbeiten und sich Kontrollen zu unterwerfen. Das von Klerikern beherrschte Land hält sich nach Erkenntnissen der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) bisher an die Auflagen des Abkommens. Trotzdem hatte die US-Regierung von Donald Trump den Vertrag vor Kurzem aufgekündigt. Die anderen Mitunterzeichner Frankreich, Großbritannien, Deutschland, China und Russland wollen an dem Deal festhalten.

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