Irak Hilflos gegen den IS

Der Westen findet kein Mittel, um die Banden zu besiegen.

Von Ronen Steinke

Hinter den Menschen an Euphrat und Tigris liegen schon wieder acht Monate Krieg, eine von den USA geführte Koalition bombardiert dort Stellungen des Islamischen Staates (IS). Doch die Terrormiliz scheint davon kaum geschwächt zu sein. Wie viele Bomben soll man über dem Irak noch abwerfen? Und wie lange noch? Drei Jahre, so schätzte jüngst die US-Armee; die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen raunte düster und vage, man müsse einen "langen Atem" haben.

Eines zeigen die zurückliegenden acht Monate deutlich: Luftangriffe nützen wenig, wenn nicht auch am Boden Truppen vorhanden sind, die vorrücken und dem IS Gebiete entreißen können. Truppen freilich, die unter einheitlichem Kommando stehen, die tatsächlich kämpfen wollen - und die auch die befreite Bevölkerung respektieren. Diese Lektion ist bekannt aus Afghanistan. Aber es spricht wenig dafür, dass sie im Irak beherzigt wurde: Beim Treffen der Außenminister der Koalition in Paris ging es jetzt wieder vor allem um weitere Luftangriffe.

Der Politiker, der angesichts dieses Debakels am lautesten schreit, ist derjenige, der dazu am wenigsten Grund hat. Iraks Premier Haider al-Abadi wirft dem Westen Versagen vor. Dabei ist es seine Armee, die davonläuft. Die einzigen Kämpfer, die dem IS derzeit Paroli bieten wollen und können, sind von Iran unterstützte Milizen.