Indonesien Hohe Haftstrafe für Islamistenführer Bashir

Ein indonesisches Gericht hat den radikalislamischen Prediger Abu Bakar Bashir zu einer langjährigen Gefängnisstrafe verurteilt - wegen Unterstützung eines Terror-Ausbildungslagers. Bashir nannte den Schuldspruch ein "Urteil von Freunden des Teufels".

In Indonesien ist ein radikaler muslimischer Prediger wegen Unterstützung eines Ausbildungslagers für Terroristen zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Der Geistliche Abu Bakar Bashir gilt als einer der führenden Vertreter der radikalen Islamisten in Indonesien.

Der indonesische Islamistenführer Abu Bakar Bashir wartet in einer Zelle in Jakarta auf sein Gerichtsverfahren.

(Foto: REUTERS)

In dem Lager in der Provinz Aceh sollen sich Terroristen aus allen bekannten indonesischen Terrorgruppen getroffen und über Anschläge und Attentatspläne unter anderem auf Staatspräsident Susilo Bambang Yudhoyono beraten haben. Das Gericht sah es außerdem als erwiesen an, dass Bashir Gelder zur Unterstützung des Lagers eingetrieben haben soll. Er soll mehr als 140.000 Dollar (100.000 Euro) gesammelt haben, berichtet die Nachrichtenagentur AFP.

Nach der Verlesung des Urteils kündigte der 72-Jährige an, das Urteil anzufechten. "Ich weise es zurück, weil es grausam ist und die islamische Scharia missachtet", sagte Bashir. Er sprach von einem "Urteil von Freunden des Teufels", das er nicht hinnehmen könne. Berichterstattern soll er im Vorfeld des Prozesses gesagt haben, dies sei ein Versuch der USA und Australiens "mich in Indonesien auszuschalten", berichtet der Guardian.

Vor dem Gerichtsgebäude versammelten sich nach einem Bericht des Senders CNN mehr als 500 Unterstützter des Verurteilten: "Freiheit für Abu Bakar Bashir" war auf einem Transparent über dem Zaun vor dem Gebäude zu lesen.

Der 72-Jährige gilt als Kopf mehrerer Terrorgruppen in Indonesien, darunter "Jemaa Islamiyah", die enge Verbindungen zum Terrornetzwerk al-Qaida unterhalten soll. Die Gruppe kämpft für die Errichtung eines Gottesstaats in den muslimischen Ländern Südostasiens. Experten zufolge soll Bashir vor allem religiöse und ideologische Rechtfertigungen für die Gewalttaten von Extremisten geliefert haben, auch wenn er selbst nicht direkt an der Planung beteiligt war.

Die indonesischen Behörden verstärkten während des Prozesses massiv die Sicherheitsvorkehrungen im Umfeld des Gerichtsgebäudes. Auf Twitter waren im Vorfeld Drohungen aufgetaucht, wonach in der Gegend an mehreren Orten Bomben deponiert worden seien.

Es war bereits der dritte Prozess gegen Bashir: 2003 wurde er schuldig gesprochen, in die Anschläge auf der Urlauberinsel Bali verwickelt gewesen zu sein, bei der mehr als 200 Menschen getötet worden waren. Auch wegen einer Beteiligung am Attentat auf das Mariott-Hotel in Jakarta war er zunächst schuldig gesprochen worden, später sprach ihn ein Gericht in Jakarta allerdings von den Anklagepunkten wieder frei - mangels Beweisen. Bashir hatte mehrmals bestritten, etwas mit anti-westlichen Anschlägen in Indonesien zu tun zu haben.