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Indien:Hürden für Kinderwunsch

Indien verbietet kommerzielle Leihmutterschaften. Nur indische Paare, die fünf Jahre verheiratet sind, dürfen von einer anderen Frau ein Kind austragen lassen.

Von T. Matern

Jahrelang war das Gesetz geplant, nun hat es die indische Regierung beschlossen: Ausländern, Alleinerziehenden und homosexuellen Paaren soll es künftig verboten werden, ihr Kind von einer Leihmutter in Indien austragen zu lassen. Künftig soll diese Praxis ausschließlich indischen Paaren, die nach fünf Jahren Ehe noch kinderlos sind, gestattet sein. "Das ist ein umfangreiches Gesetz, das die kommerzielle Leihmutterschaft komplett unterbindet", sagte die indische Außenministerin Sushma Swaraj bei der Vorstellung des Vorhabens in Delhi.

Indien galt bislang weltweit als das "Leihmutter-Zentrum". Nach Recherchen der BBC wurden in Indien jährlich etwa 5000 Babys von Leihmüttern geboren, andere Quellen sprechen von deutlich mehr Kindern, die auf diese Weise auf die Welt kamen. Kritiker monierten schon lange, der Wunsch wohlhabender westlicher Eltern nach einem Baby führe dazu, dass eine materiell schlecht gestellte indische Frau ausgebeutet werde, indem sie ihren Körper als Leihmutter zur Verfügung stelle. Die Zahlen variieren, aber umgerechnet zahlte ein westliches Paar den Kliniken etwa 20 000 Euro für die Vermittlung und Betreuung einer Leihmutter.

Ungefähr ein Drittel des Geldes wurde an die Leihmutter bezahlt, sagte die Gynäkologin Nayana Patel der Süddeutschen Zeitung. Für die Frauen und ganze Familien sei dies eine Gelegenheit gewesen, der Armut zu entkommen.

Patel gilt in der indischen Presse als die Frau, die aus der kleinen Stadt Anand im indischen Bundesstaat Gujarat die "Welthauptstadt der Leihmutterschaft" gemacht hat. In den vergangenen Jahren habe sie 350 ausländischen Paaren mithilfe einer indischen Leihmutter zu einem Baby verholfen, sagt die Ärztin. Die Regierung begehe nun einen großen Fehler: Sie schränke den Kreis von Paaren, denen es überhaupt noch erlaubt sei, ihren Kinderwunsch mit Hilfe einer Leihmutter zu erfüllen, zu stark ein. Auch "altruistische Leihmutterschaften" seien nun fast vollständig ausgeschlossen, kritisiert die Medizinerin. Es gab laut Schätzungen in Indien bisher landesweit etwa 3000 Kliniken, in denen Leihmutterschaften vermittelt wurden.

Nach dem neuen Gesetz dürfen nun nur noch indische Paare eine Leihmutter engagieren, die aus der Verwandtschaft kommt, selbst verheiratet und mindestens schon einmal Mutter geworden ist. Außenministerin Swaraj sagte bei der Vorstellung des Gesetzes, es sei "bedauerlich", dass bisher auch Paare, die bereits Kinder gezeugt hätten, Leihmütter engagierten. Sie bezeichnete diese Praxis als "Mode-Erscheinung", die nun ebenfalls unterbunden werde. Offenbar zielte die Außenministerin mit ihrer Kritik gegen einige Bollywoodstars, die auf diese Weise Kinder bekommen hatten.

Bis das Verbot der Leihmutterschaft in Kraft treten soll, werden noch etwa zehn Monate vergehen, sagte Außenministerin Swaraj, die Mitglied der hindunationalistischen Partei BJB ist. Zur BJP gehört auch Premierminister Narendra Modi. Schwangere Leihmütter sollten noch genügend Zeit haben, die Kinder in Ruhe zur Welt zu bringen, dann werde die Praxis beendet, sagte Swaraj. Das Gesetz muss noch durch das Parlament, dort gilt eine Mehrheit als gesichert.

© SZ vom 26.08.2016

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