Indien:Aufständische töten mindestens 60 Menschen

  • Aufständische der militanten Gruppe "Nationale Demokratische Front von Bodoland" haben im indischen Bundesstaat mindestens 60 Mitglieder eines Adivasi-Stammes getötet.
  • Aus Rache töteten Adivasi daraufhin mehrere Bodos.
  • Polizei und tausende Soldaten sollen die Lage in Assam unter Kontrolle bringen.
  • Die "Nationale Demokratische Front von Bodoland" fordert mehr Autonomie in der Region.

Gewalt in Assam

Aufständische haben im Dschungel im Nordosten Indiens mindestens 60 Angehörige der Adivasi erschossen - so nennt sich die indigene Bevölkerung Indiens selbst. Die Armee schickte tausende Soldaten in die schwer zugänglichen Gebiete im Bundesstaat Assam. Die Täter gehören nach Polizeiangaben der militanten Gruppe "Nationale Demokratische Front von Bodoland" (NDFB) an, die für mehr Autonomie in der Region kämpft.

Die Angreifer seien in mehreren koordinierten Attacken in Dörfer gestürmt und hätten die Menschen wahllos erschossen, sagte der örtliche Polizei-Generalinspekteur L. R. Bishnoi. In seinem Distrikt Kokrajhar an der Grenze zu Bhutan seien bislang 25 Leichen gefunden worden. Im benachbarten Distrikt Sonitpur starben mindestens 36 Menschen. "Die meisten davon waren Frauen und Kinder", sagte die dortige Polizeichefin Sanjukta Parasar. Etliche Häuser wurden niedergebrannt.

Nach Informationen des indischen Senders NDTV kamen die Angreifer in Armeeuniformen und mit Sturmgewehren, rissen die Türen der Strohhütten auf und begannen zu schießen. Einige Bewohner, darunter viele Frauen, seien auch aus den Hütten gezerrt und aus nächster Nähe erschossen worden.

Als Racheakt für die Getöteten sollen indischen Medien zufolge Angehörige der Adivasi mehrere Angehörige der Bodo getötet und eines ihrer Dörfer angezündet haben.

Die Reaktionen der Behörden

Die Polizei erklärte, die Sicherheitskräfte gingen im Dschungel mit Großaufgeboten gegen die Aufständischen vor. Alle Überlandstraßen seien abgeriegelt. Außerdem haben örtliche Behörden Flüchtlingscamps für diejenigen eingerichtet, die sich in ihren Häusern nicht mehr sicher fühlten. Die Grenze nach Bhutan wurde laut indischen Medien geschlossen.

Premierminister Narendra Modi bezeichnete das Töten im Kurznachrichtendienst Twitter als "feigen Akt". Innenminister Rajnath Singh reiste nach Assam. Indiens Präsident Pranab Mukherjee erklärte, "solche terroristischen und gewalttätigen Handlungen müssen mit starker Hand unterdrückt werden."

Die Adivasis

Die Toten sind Angehörige der indigenen Bevölkerung, die sich in Indien als Adivasi bezeichnen. Im Nordosten des Landes leben - zwischen Bangladesch und Myanmar, nur durch einen dünnen Streifen mit dem Rest des Landes verbunden - zahlreiche verschiedene Adivasi-Gruppen. Sie gehören nicht zu den in Kasten organisierten Hindus, sondern leben oft in traditionellen Stammesgemeinschaften.

Die Bodos

Die Mitglieder der NDFB lehnen Friedensgespräche ab, die einige andere Bodo-Gruppen mit der Regierung führen. Polizei-Generalinspekteur Bishnoi geht von einem Vergeltungsschlag aus, denn die Armee sei zuletzt vermehrt gegen die NDFB vorgegangen. Die Zeitung Times of India berichtete, die Aufständischen könnten die Dorfbewohner verdächtigt haben, Informationen über ihre Verstecke an die Sicherheitskräfte weitergegeben zu haben.

Im Mai hatten Bodo-Aufständische in Assam ebenfalls Dutzende Menschen erschossen. Damals waren die Opfer muslimische Dorfbewohner.

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