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Ideologie und Kindesmissbrauch:Päderasten konnten offen ihre politischen Ziele formulieren

In der grünen Partei fanden Päderasten Unterstützung. Gruppen wie die Nürnberger Stadtindianer machten "Rabatz für Sex mit Kindern" (Füller) und fanden Mitstreiter in der jungen Partei. Päderasten konnten aber auch in den Medien völlig offen ihre politischen Ziele formulieren.

Füller liefert die Belege mit: Der Sprecher der baden-württembergischen Landesarbeitsgemeinschaft Kinder und Jugendliche fabulierte 1986 in der taz auf einer ganzen Seite darüber, es sei "unwiderlegbare Tatsache, dass ein großer Teil der zärtlichen bzw. sexuellen Beziehungen zwischen Erwachsenen und Kindern/Jugendlichen keinerlei Schädigungen hinterlässt". Den wenigen kritischen Feministinnen damals schleuderte er entgegen, es sei falsch, wenn Frauen aus einem mütterlichen Drang heraus "Kindern die freie Partnerwahl streitig" machten. Und die Hamburger "Fachgruppe Knast und Justiz" der Partei setzte sich 1985 lautstark für einen verurteilten Kinderschänder, grüner Stadtrat in NRW, ein. Man dürfe den Mann nicht aus der Partei schmeißen und ihn "schutzlos der Strafjustiz" überlassen.

Dem von der Partei in Auftrag gegebene Bericht mangelt es an Schärfe

Die Grünen haben mit der Wahlniederlage 2013 und nach langen Debatten mit der Aufarbeitung dieses Teils ihrer Geschichte begonnen. Im vergangenen November veröffentlichten sie den von ihnen in Auftrag gegeben Bericht des Göttinger Parteienforschers Franz Walter. Auch dieser Bericht kommt zu dem eindeutigen Ergebnis: Ja, solche Dinge gab es in der Partei. Aber der Ton ist ein anderer: Der Einfluss der Päderasten sei dann doch nicht so groß gewesen. Feministinnen werden angeführt, die sich schon früh und erfolgreich gegen die Päderasten gestellt hätten.

Die Grünen In den Klauen des Zeitgeistes
Bericht zur Pädophilie-Debatte der Grünen

In den Klauen des Zeitgeistes

Die Grünen tragen die Verantwortung für ihre unreflektierten Pädophilie-Debatten, sagt Parteienforscher Franz Walter. Die Partei habe in ihrer Frühzeit "Verrücktheiten" von Minderheiten nicht nur toleriert, sondern "veredelt". Doch er sieht auch entlastende Umstände.   Von Thorsten Denkler

Füller hält dagegen: Es habe kritische Frauen gegeben bei den Grünen, aber sie seien irrelevant gewesen. In dieser Frage hätten sie nie Mehrheiten für ihre Position bekommen. Anders die Päderasten. Das sei "keine Splittergruppe gewesen", schreibt er. Die "Bundesarbeitsgemeinschaft Schwule, Transsexuelle und Päderasten" etwa wurde von der Bundestagsfraktion der Grünen finanziert und in die Parlamentsarbeit eingebunden. Füller: "Niemals war eine pädophile Lobby näher am Gesetzgeber als bei den Grünen".

Heute sind es digitale Revolutionäre, die Kindesmissbrauch verharmlosen, sagt Füller

Heute sind es aus Füller Sicht die digitalen Revolutionäre, die das Thema Kindesmissbrauch ebenso verharmlosen und ignorieren wie vor ihnen die Grünen, die 68er und die Wandervögel. Nach dem Motto (so unterstellt es zumindest Füller): Das Internet ist cool, das darf nicht deshalb hinterfragt werden, weil dort der ein oder andere Kinderschänder sein Unwesen treibt. Nicht weniger als die Freiheit der (digitalen) Welt steht schließlich auf dem Spiel.

Wieder werde in Kauf genommen, dass Kinder sexuell ausgebeutet werden, so Füller. Damit sich eine ideologisch aufgeblähte Debatte nicht mit so etwas Randstänigem wie Kinderrechten beschäftigen muss.

Diesen großen Bogen, von den alten Griechen bis ins digitale Zeitalter, hat noch niemand auf diese Art gespannt. Das mag der ein oder andere für gewagt halten. Entbehrt aber nicht einer inneren Logik. Den Eifer Füllers muss niemand teilen. Das Buch aber zeigt deutlich, wie Päderasten in einem ideologisch aufgeheizten Umfeld Wege finden, sich diese Ideologien in ihrem Sinne zurechtzubiegen - und damit auf Akzeptanz stoßen.

Das relativiert nicht den Skandal des alltäglichen Missbrauchs, der in Umkleidekabinen von Turnhallen, in Sakristeien und elterlichen Schlafzimmern stattfindet. Aber Füllers Buch eröffnet eine neue, wichtige Perspektive.