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Handelsstreit:USA werfen China Kursmanipulation vor

Der Yuan ist so billig wie zuletzt 2008. Droht im Handelskonflikt nun auch ein Währungskrieg? Peking weist die Kritik der amerikanischen Regierung zurück.

Der Handelsstreit zwischen den beiden weltgrößten Wirtschaftsmächten USA und China verschärft sich, nachdem die amerikanische Regierung die Volksrepublik erstmals seit 25 Jahren offiziell als "Währungsmanipulator" eingestuft hat. US-Finanzminister Steven Mnuchin sagte, China verschaffe sich mit einer bewussten Abwertung des Yuan unfaire Vorteile im Welthandel und verstoße gegen Verpflichtungen als Mitglied der Gruppe der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G 20). Man werde in der Sache Gespräche mit dem Internationalen Währungsfonds einleiten.

Peking wies am Dienstag den Vorwurf der USA zurück, die Volksrepublik manipuliere ihre Währung mit dem Ziel eigener Vorteile im Welthandel. Die jüngste scharfe Abwertung des Yuan sei vielmehr durch den Markt bewirkt worden, heißt es in einer Erklärung der chinesischen Notenbank. China werde seine Währung nicht aus wettbewerblichen Gründen abwerten oder sie als Instrument im Handelskonflikt mit den USA einsetzen.

Die chinesische Notenbank hatte den Wechselkurs des Yuan am Montag auf den tiefsten Stand seit elf Jahren fallen lassen. Ein Dollar kostete erstmals seit 2008 wieder mehr als sieben Yuan. Dadurch wuchsen die Befürchtungen, China könne den Wechselkurs zur Waffe im Handelskrieg mit den USA einsetzen, da dadurch chinesische Produkte im Ausland preiswerter wären. Gleichzeitig hatten Behörden in China staatlichen Betrieben untersagt, Agrargüter aus den USA zu importieren. Diese Entscheidungen der chinesischen Führung gelten als Retourkutsche auf die vergangene Woche von US-Präsident Donald Trump verkündeten Strafzölle. Von September an sollen zusätzlich zu den bereits mit Abgaben belegten Waren weitere chinesische Produkte im Wert von 300 Milliarden Dollar mit Zöllen in Höhe von zehn Prozent belegt werden. An den internationalen Aktienmärkten kam es daher am Montag zu hohen Kursverlusten, am Dienstag beruhigte sich dort die Lage wieder.

Der Präsident des Außenhandelsverbandes BGA, Holger Bingmann, mahnte zur Besonnenheit: "Wir sollten jetzt auf keinen Fall leichtfertig einen Währungskrieg herbeireden." Käme es beabsichtigt oder auch unabsichtlich dazu, "wären die Folgen dramatisch, denn dann gibt es keine Gewinner, nirgends", sagte Bingmann. Angesichts seiner starken internationalen Verflechtung wäre Deutschland sicher ganz besonders betroffen.

Die Auseinandersetzung der beiden Großmächte erstreckt sich auch auf die Sicherheitspolitik. Nach der Auflösung des wichtigen INF-Abrüstungsvertrags für Atomwaffen hat China die Vereinigten Staaten vor der Stationierung von Mittelstreckenraketen in Asien gewarnt. US-Verteidigungsminister Mark Esper hatte sich zuvor für eine Stationierung von landgestützten Mittelstreckenraketen im Asien-Pazifik-Raum ausgesprochen. China werde "alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um die nationalen Sicherheitsinteressen entschlossen zu verteidigen", so das Pekinger Außenministerium am Dienstag.