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Hamburg:Attacke vor Synagoge

Von Georg Mascolo und Ronen Steinke , Hamburg

Vor der Hamburger Synagoge ist es am Sonntagnachmittag zu einer offenbar antisemitisch motivierten Attacke gekommen. Nach Informationen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR griff ein militärisch gekleideter Mann dort einen jüdischen Studenten an, der durch eine Kippa als jüdisch zu erkennen war und aus der Synagoge an der Hohen Weide im Stadtteil Eimsbüttel herauskam. Der 29 Jahre alte Täter soll den Studenten mit einem Klappspaten auf den Kopf geschlagen und verletzt haben, bevor anwesende Polizeikräfte ihn überwältigen, festnehmen und die vielen Besucher der Synagoge in Sicherheit bringen konnten.

Sowohl die militärische Kleidung als auch das Datum der Attacke wecken Erinnerungen an den Anschlag auf die Synagoge von Halle an der Saale vor knapp einem Jahr. Dort hatte am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur ein ebenfalls militärisch gekleideter, schwer bewaffneter Rechtsradikaler versucht, in die Synagoge einzudringen und die Betenden zu ermorden. An diesem Sonntag nun wurde Sukkot gefeiert, das mehrtägige Laubhüttenfest, das im jüdischen Kalender auf Jom Kippur folgt. Im jüdischen Kalender ist das Jahr etwas kürzer, sodass sich Jom Kippur bereits am zurückliegenden Montag gejährt hat.

Das Opfer wurde mit einer erheblichen Kopfverletzung ins Krankenhaus gebracht. Der Täter, der seinen Wohnsitz in Berlin hat, machte laut Polizei einen "extrem verwirrten Eindruck". Nach Informationen der dpa soll der Täter einen Zettel mit einem Hakenkreuz in der Hosentasche gehabt haben. Der Staatsschutz des Hamburger Landeskriminalamts hat die Ermittlungen übernommen. Die Synagoge der Hamburger jüdischen Gemeinde, die mit mehr als 3000 Mitgliedern zu den größten Deutschlands zählt, war am Sonntag vom eigenen Wachdienst sowie von einem Wachposten der Polizei geschützt worden.

Die Anzahl der registrierten antisemitischen Straftaten in Deutschland hat sich seit 2017 etwa verdoppelt. Der Anschlag auf die Synagoge in Halle am vergangenen 9. Oktober ragt dabei heraus, dort hatte der Täter auf Passanten geschossen, nachdem es ihm nicht gelungen war, die Holztür der Gemeinde zu überwinden und in das Gebetshaus einzudringen. Dabei hatte er eine Frau getötet und anschließend in einem nahe gelegenen Dönerimbiss einen weiteren Mann erschossen. Währenddessen hatte er das Geschehen mit einer Helmkamera ins Internet gestreamt, auch um potenzielle Nachahmer zu animieren.

© SZ vom 05.10.2020
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