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Grüne:Hört ihr uns?

Will sie erfolgreich sein, muss die Partei unbequemer werden.

Von Constanze von Bullion

Sie sind nicht zu beneiden, die Grünen. Die Partei, die sich vor zwei Monaten noch im Anflug aufs Kanzleramt glaubte, mindestens aber unterwegs in die nächste Bundesregierung, wurde vom Coronavirus ausgebremst. Seit es um Infektionskurven geht und um Fragen von Leben und Sterben, wirken Anliegen wie der Klimaschutz auf viele Wähler eher verzichtbar. In Umfragen hat ein steter grüner Sinkflug eingesetzt. Nun hat die Partei sich mit einem digitalisierten Parteitag zurückgemeldet - technisch zumindest hat das überraschend gut geklappt.

Beim virtuellen Länderrat gab es zwar unfreiwillige Komik, dank manchem verbalem Hackepeter und "Hallo, hallo? Hört ihr mich?". Insgesamt aber haben die Grünen sich professionell geschlagen.

Schwieriger als die Steuerung digitaler Gerätschaften aber dürfte es werden, grünen Inhalten wieder Gewicht zu verleihen. Wo viele Milliarden für wirtschaftlichen Wiederaufbau in Europa gebraucht werden, wird der nötige ökologische Umbau zum Kraftakt. Und so laut die Partei neuerdings für sozial Benachteiligte eintritt, so still ist sie bei Flucht und Asyl geworden - weil da kein Applaus zu holen ist. Auch die Vermögensabgabe wurde diskret aus dem Programm geräumt. Die Grünen waren schon mal unbequemer. Wenn sie gehört werden wollen, müssen sie es wieder werden.

© SZ vom 04.05.2020

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