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Grüne:Auf Nummer sicher

Die Partei steckt im Dilemma: Man will das Land verändern - aber in der Corona-Krise wollen die Leute ihr altes Leben zurück. Ein Fürsorgeprogramm soll nun helfen.

Von Constanze von Bullion

Alles wird anders und trotzdem schön - mit dieser nicht ganz einfachen Botschaft wollen die Grünen in den Bundestagswahlkampf ziehen. Wie das gehen soll, hat der Parteivorstand bei einer Klausur in Berlin beraten. Herausgekommen ist ein Beschluss, der vor allem eines zeigt: die Sehnsucht der Grünen, Sicherheit zu vermitteln in Zeiten, in denen so gut wie nichts mehr sicher ist.

"Achten und schützen", "Vorsorgen mit Plan", "robuste Gesundheitsvorsorge" - der grüne Beschluss liest sich wie Werbung für eine Lebensversicherung. Die Partei will die Krankenhausfinanzierung reformieren, dazu Staatshilfe für Unternehmen, Belüftungsanlagen für Schulen und eine Garantiesicherung für Bedürftige als "Sicherheitsversprechen für alle Lebenslagen". So viel Fürsorge war nie. Sie ist Ausdruck einer Zwickmühle.

Die Grünen kämpfen für die Bereitschaft zum Wandel. Aber in der Pandemie wollen viele Menschen genau das Gegenteil, nämlich ihr altes Leben zurück, und zwar dalli. Gerade auf Menschen mit unsicherem sozialen Status wirken grüne Veränderungsappelle bisweilen bedrohlich. Deshalb gibt die Partei nun allerlei Sicherheitsversprechen ab. Nur Mut, verändert euch, um die Daseinsvorsorge kümmern wir uns dann schon, heißt die Botschaft. Es gab schon eingängigere Wahlkampfschlager.

© SZ vom 02.09.2020

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