Großbritannien Cox-Attentat: Mutmaßlicher Täter offiziell des Mordes beschuldigt

Blumen und Kerzen: Trauer um Jo Cox

(Foto: REUTERS)
  • Nach dem Anschlag auf die Labour-Abgeordnete Jo Cox gibt die Polizei weitere Informationen bekannt.
  • Dem 52-jährigen Thomas M. wird nun offiziell Mord vorgeworfen.
  • Die Ermittler konzentrieren sich auf ein rechtsextremes Motiv.
  • Der britische Premier David Cameron ist in den Wahlkreis von Cox gereist, um ihr zu gedenken.

Nach dem Mord an der britischen Abgeordneten Jo Cox wirft die örtliche Polizei dem 52-jährigen Verdächtigen offiziell Mord vor, gaben die Ermittler bekannt.

Dem mutmaßlichen Täter, Thomas M., wird Mord und schwerwiegende Körperverletzung vorgeworfen. Außerdem: Besitz einer Feuerwaffe mit dem Ziel, eine strafbare Handlung auszuführen (die Waffengesetze in Großbritannien sind recht strikt) und Besitz einer Offensivwaffe.

Am Samstag soll der mutmaßliche Täter vor Gericht erscheinen.

Ermittlungen im rechtsextremen Bereich

Die Ermittlungen konzentrieren sich Polizeiangaben zufolge auf den rechtsextremen Bereich. Der Angriff auf die Politikerin sei vermutlich geplant worden, teilte die Polizei in West Yorkshire mit. Gleichzeitig gebe es keine Hinweise auf Hintermänner. Den bisherigen Ermittlungen zufolge sei außer dem 52-jährigen Tatverdächtigen keine andere Person an der Tat beteiligt gewesen. Der mutmaßliche Attentäter bleibe in Polizeigewahrsam und werde weiter verhört. Ungeklärt sei, wie der Mann in den Besitz einer Schusswaffe gekommen sei.

Die Polizei reagierte mit ihrer Mitteilung auf Gerüchte, wonach der mutmaßliche Täter Verbindungen in die rechtsextreme Szene haben soll. Über Jahrzehnte hinweg hat er sich offenbar Publikationen der National Alliance (NA) bestellt. Die NA ist eine rechtsextreme Gruppierung in den USA. Britische Behörden fanden in der Wohnung des mutmaßlichen Mörders offenbar Indizien, die die den Kauf der Publikationen bestätigen.

Dem Spiegel zufolge finden sich zudem im Archiv eines US-Rassismusforschers Kaufquittungen für Veröffentlichungen der NA, die auf den Namen des Tatverdächtigen ausgestellt sind. Neben Neonazi-Magazinen hätte er demnach auch Gebrauchsanleitungen für den Eigenbau von Schusswaffen und Sprengsätzen gekauft. Die BBC meldete, in der Wohnung von Thomas M., seien Nazi-Insignien gefunden worden.

Augenzeugen zufolge soll der Mann bei seinem Angriff auf Cox "Britain first" (Großbritannien zuerst) gerufen haben. Der Slogan ist zugleich der Name einer rechtsextremen Partei im Königreich, die angibt, "britische und christliche Werte" verteidigen zu wollen. Berichte über derartige Verbindungen hätten Priorität. Auch die psychische Gesundheit des festgenommenen Tatverdächtigen werde überprüft.

77-Jähriger versuchte Cox zu schützen

Auch weitere Details zu den Umständen des Attentats machten die Beamten öffentlich. Cox sei attackiert worden, als sie sich mit zwei Kollegen auf dem Weg zur Bibliothek der nordenglischen Stadt Birstall befand. Ein 77-Jähriger soll noch versucht haben, Cox vor dem Angreifer zu schützen, wurde jedoch selbst verletzt.

Die 41-jährige Labour-Abgeordnete und EU-Befürworterin war am Donnerstag in ihrem Wahlkreis im nordenglischen Birstall mit Schüssen und Messerstichen getötet worden. Die Polizei nahm einen 52-jährigen Mann in der Nähe des Tatorts fest und stellte Waffen, darunter eine Schusswaffe, bei ihm sicher. Unklar ist aber, ob ein Zusammenhang zwischen dem Anschlag und dem britischen Referendum über einen Austritt aus der Europäischen Union in wenigen Tagen besteht.

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Der britische Premier David Cameron war nach Birstall gereist, um Jo Cox zu gedenken. Zunächst legte er Blumen nieder, bevor er sagte: "Zwei Kinder verloren ihre Mutter, ein Ehemann seine geliebte Frau - und das Parlament hat eine leidenschaftliche sowie brillante Mitstreitern verloren. Jemanden, der uns daran erinnerte, dass es in der Politik darum geht, anderen zu dienen", so Cameron. "Unsere Nation ist geschockt." Labour-Chef Jeremy Corbyn war ebenfalls nach Birstall gereist. Er nannte das Verbrechen einen "Anschlag auf die Demokratie". Am kommenden Montag werde das Parlament zu einer Sondersitzung zusammenkommen, um der Toten zu gedenken, so Corbyn.