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Kabinettsumbildung in Großbritannien:Britischer Finanzminister Sajid Javid tritt zurück

Großbritannien: Sajid Javid 2020 in London

Sajid Javid tritt in der heißen Phase der Verhandlungen mit der EU über die künftigen Beziehungen von seinem Posten als britischer Finanzminister zurück.

(Foto: REUTERS)
  • Der britische Finanzminister Javid tritt im Zuge einer Regierungsumbildung durch Premier Johnson zurück.
  • Javid entzieht sich mit dem Schritt einem Vorstoß von Premier Johnson, mehr Kontrolle über das Finanzressort zu gewinnen.

Der britische Finanzminister Sajid Javid ist britischen Medien zufolge überraschend von seinem Amt zurückgetreten. Der BBC und dem Guardian zufolge war Javid nicht bereit, sich Forderungen von Premier Boris Johnson zu beugen. Johnson verlangte demnach von Javid, seinen Beraterstab zu entlassen und stattdessen dem Regierungschef nahestehende Berater zu engagieren.

Johnson ist derzeit dabei, sein Kabinett neu aufzustellen. Es war eigentlich damit gerechnet worden, dass Javid seinen Posten behalten würde.

Mehrere Minister wurden entlassen. So entließ der Premier überraschend den Minister für Nordirland, Julian Smith. Dieser war zuletzt für seine Hilfe gelobt worden, den politischen Stillstand in Nordirland zu beenden. Dort hatte es drei Jahre lang weder eine Regionalregierung noch ein Regionalparlament gegeben. Auf Druck der britischen und der irischen Regierungen begannen die irischen Nationalisten und die britischen Unionisten im Januar wieder eine Zusammenarbeit.

Darüber hinaus müssen Wirtschaftsministerin Andrea Leadsom, Umweltministerin Theresa Villiers sowie mehrere Staatssekretärinnen und Staatssekretäre ihren Hut nehmen. Generalstaatsanwalt Geoffrey Cox verkündete via Twitter seinen Rücktritt, nachdem Johnson ihn aufgefordert hatte, sein Amt niederzulegen.

Das Vereinigte Königreich ist Ende Januar aus der Europäischen Union ausgeschieden, befindet sich bis zum 31. Dezember aber noch in einer Übergangsphase. Nun verhandelt es mit den verbliebenen 27 Mitgliedsstaaten über die künftigen Beziehungen. Bis zum Jahresende soll ein Abkommen stehen, das Handel und Sicherheit abdeckt. Eine Einigung ist bislang nicht in Sicht.

© SZ.de/dpa/AP/gal/aner
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