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"Grace 1":Gibraltar gibt iranischen Öltanker frei

  • Gibraltar will den mit iranischem Öl beladenen Supertanker Grace 1 nicht länger festhalten, wie das oberste Gericht des Landes bestätigt.
  • Die USA hatten noch versucht, die Freigabe in letzter Sekunde zu verhindern.
  • Damit wächst die Hoffnung auf eine Deeskalation in dem schwelenden Konflikt zwischen Iran und mehreren westlichen Ländern, darunter den USA und Großbritannien.

Gibraltar will den mit iranischem Öl beladenen Supertanker Grace 1 freigeben. Diese Entscheidung bestätigte am Donnerstag das oberste Gericht des britischen Überseegebiets an der Südküste Spaniens. Es war aber zunächst unklar, ob das vor sechs Wochen festgesetzte Schiff sofort in See stechen kann. Die Zeitung Gibraltar Chronicle berichtet, Gibraltars Regierungschef Fabian Picardo habe die Entscheidung getroffen. Es gebe eine schriftliche Erklärung der iranischen Regierung, dass die Öl-Ladung nicht in Syrien gelöscht werde.

In letzter Minute versuchten die USA, das Schiff am Auslaufen zu hindern. Die Regierung Gibraltars teilte mit, das US-Justizministerium habe beantragt, den Tanker wegen einer Reihe von Vorwürfen zu beschlagnahmen. Eine gerichtliche Prüfung dessen stehe noch aus. Was das konkret für den Tanker bedeutet, war zunächst unklar.

Iran bestätigte die Freigabe des Schiffes. Der Tanker werde schon bald Gibraltar verlassen, twitterte Irans Botschafter in London, Hamid Baeidinedschad. Das Ende "der illegalen Festsetzung" des Tankers sei das Ergebnis intensiver Verhandlungen des iranischen Außenministeriums mit der britischen Seite in den vergangenen Wochen. Die Entscheidung des Gerichts in Gibraltar sei auch eine "demütigende Niederlage" für die USA, die noch am Vormittag die Freigabe des Tankers hätten verhindern wollen.

Damit wächst die Hoffnung auf eine Deeskalation in dem schwelenden Konflikt zwischen Iran und mehreren westlichen Ländern, darunter den USA und Großbritannien. Der Kapitän der Grace 1 sowie drei Offiziere sind Medienberichten zufolge bereits am Vormittag aus der Haft entlassen worden.

Diesen hatten die Behörden von Gibraltar in ihren Territorialgewässern gestoppt, weil er gegen EU-Sanktionen verstoßen haben soll. Demnach sollte die Ladung an eine Raffinerie in der syrischen Stadt Baniyas gehen, die wie andere syrische Staatsfirmen mit einem Embargo belegt ist. Iran wirft Großbritannien deswegen "Piraterie" vor und sieht in der Festsetzung einen Verstoß gegen das Atomabkommen.

Die Iraner hatten in der Straße von Hormus nach der Festsetzung der Grace 1 einen unter britischer Flagge fahrenden Tanker, die Stena Impero, festgesetzt. Britische Marineinfanteristen hatten den unter panamaischer Flagge fahrenden Supertanker unter dem Verdacht geentert, er transportiere iranisches Öl nach Syrien. Das wäre ein Verstoß gegen EU-Sanktionen, die gegen die Regierung von Präsident Baschar al-Assad verhängt wurden.

Die USA und Großbritannien hatten deshalb eine Marinemission zum Schutz der Handelsschifffahrt im Persischen Golf ins Spiel gebracht. Deutschland erteilte einem Militäreinsatz unter Führung der USA jedoch eine Absage.

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