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Nachruf auf Valéry Giscard d'Estaing:Europas letzter König

Er wurde zwar gewählt, aber er fühlte sich erwählt: Valéry Giscard d'Estaing, hier bei der Beerdigung von Helmut Schmidt, war von 1974 bis 1981 Frankreichs Präsident.

(Foto: Fabian Bimmer/AP)

Valéry Giscard d'Estaing liebte den Frieden, den Adel und die Frauen. Jetzt ist er gestorben. Ein Nachruf auf einen monarchischen Demokraten.

Von Christian Wernicke

Ein Teil von ihm, sagt ein Vertrauter, sei bereits vor fünf Jahren gestorben. Im November 2015, nach dem Tod des deutschen Altkanzlers Helmut Schmidt, war Frankreichs Ex-Präsident Valéry Giscard d'Estaing tagelang depressiv. Den Verlust des langjährigen Freundes und europäischen Weggefährten hatte er "als eine Art Amputation" empfunden. Noch Monate später schossen ihm, dem Hinterbliebenen, Tränen in die Augen, wenn er sich an seinen deutschen Bruder im Geiste erinnerte. Nichts half, auch nicht der leise Spott, mit dem Giscard sich Zeit seines Lebens Widrigkeiten und Widersacher vom Leib gehalten hatte. Ungefähr so wie noch 2013, als der Franzose in einem gemeinsamen Fernsehinterview bei Arte kurz lächelte und dem sieben Jahre älteren Schmidt prophezeite: "Wir können uns ja immer im Kosmos wiedersehen."

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