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Gefährlicher Brief:Griechische Extremistengruppe bekennt sich zu Sprengstoffpaket an Finanzministerium

Der neue Finanzminister Olaf Scholz holt mit Jörg Kukies einen umstrittenen Staatssekretär ins Haus.

Das Bundesministerium der Finanzen befindet sich in Berlin Mitte nahe des Potsdamer Platzes. Beim routinemäßigen Röntgen fiel Mitarbeitern der Poststelle ein verdächtiger Gegenstand auf.

(Foto: imago/Schöning)
  • Beim routinemäßigen Durchleuchten eines Pakets wurde im Bundesfinanzministerium eine Sprengstoffsendung entdeckt.
  • Das Paket wurde nach Angaben der griechischen Regierung aus Athen versandt.
  • Am Donnerstag bekannte sich die linksextremistische Gruppe "Verschwörung der Feuerzellen" zu der Tat.

Die griechische Anarchistengruppe "Verschwörung der Feuerzellen" hat sich am Donnerstag zu der Sprengstoffsendung bekannt, die am Vortag im Bundesfinanzministerium in Berlin abgefangen wurde.

Auf der linken Internetplattform Indymedia veröffentlichte die Gruppierung ein Bekennerschreiben: "Wir sind immer noch zornig. Wir haben das Paket an Deutschlands Finanzminister als Teil des zweiten Akts des Nemesis-Plans geschickt". Der Nemesis-Plan richte sich gegen das "Machtsystem".

Die griechische Polizei stufte die Selbstbezichtigung der Anarchistengruppe als glaubwürdig ein: Es bestehe eine "hohe Wahrscheinlichkeit", dass die Bekennernachricht authentisch sei. Finanzminister Wolfgang Schäuble ist in Griechenland sehr unbeliebt. Er gilt als Hardliner bei den Sparforderungen der internationalen Gläubiger des Landes.

Das Paket mit explosivem Gemisch war am Mittwoch in der Poststelle des Ministeriums bei einer Routineuntersuchung entdeckt worden. Das sogenannte Blitzknallgemisch hätte beim Öffnen zu "erheblichen Verletzungen" führen können, teilte die Polizei mit. Den Zünder entschärften Spezialisten am Mittwoch noch in der Poststelle, den Rest des Pakets machten sie auf einem Sprengplatz der Polizei unschädlich. Verletzt wurde niemand.

Die "Verschwörung der Feuerzellen" ist seit Anfang 2008 aktiv. Der Gruppe werden dutzende nicht tödlicher Brand- und Paketbombenanschläge in Griechenland zur Last gelegt. 2010 hatte sie sich außerdem dazu bekannt, eine ganze Reihe von Paketbomben an ausländische Botschaften in Athen versandt zu haben.

An wen das Paket adressiert war, ist noch unklar

Ob die Sendung an Finanzminister Wolfgang Schäuble adressiert war, wollte die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen nicht sagen. Zuvor hatten sowohl die Bild-Zeitung als auch die B.Z berichtet, die Sendung sei direkt an den Minister adressiert gewesen. Auch das Ministerium wollte sich dazu nicht äußern.

Als Absender auf dem Paket hatte die Gruppe den Namen des stellvertretenden Chefs der konservativen griechischen Oppositionspartei Nea Dimokratia (ND) genannt. Adonis Georgiadis bestätigte dies über den Kurznachrichtendienst Twitter: "Es ist kein Witz, es ist leider wahr." Der Bild-Zeitung sagte er: "Der oder die Terroristen haben wohl meinen Namen genommen, weil ich in Griechenland als Freund von Herrn Schäuble gelte."

Der Polizei zufolge kann der in dem Paket enthaltene Stoff zur Herstellung von Feuerwerkskörpern verwendet werden. Nach dem Fund mussten Mitarbeiter die Poststelle und umliegende Räume des Gebäudes, das nahe dem Potsdamer Platz gelegen ist, umgehend verlassen.

Mitarbeiter der Poststelle hatten das Paket durchleuchtet und dabei einen verdächtigen Gegenstand bemerkt. Die Polizei rückte an. Spezialisten des Kriminaltechnischen Instituts untersuchten es. Da auch nach der erneuten Inspektion nicht eindeutig geklärt werden konnte, was sich in ihm befindet, wurde es zu weiteren Untersuchungen auf einen Sprengplatz im Grunewald gebracht.

Bereits im November 2010 war im Kanzleramt ein Sprengstoff-Päckchen aus Griechenland entschärft worden. Die Sendung war damals an Bundeskanzlerin Angela Merkel adressiert. Die Bundesregierung sah einen Zusammenhang mit einer Serie von Briefbomben, die in Athen verschickt worden waren.