Gazastreifen Israel fliegt Vergeltungs­angriffe gegen die Hamas

Die Armee reagiert damit auf neuen Raketenbeschuss, bei dem sieben Menschen verletzt wurden.

Von Alexandra Föderl-Schmid, Washington/Tel Aviv

Israels Armee hat am Montagnachmittag mit Vergeltungsangriffen auf den Gazastreifen begonnen. Sie reagiert damit auf den Raketenbeschuss Tel Avivs. Die israelische Armee griff gezielt Gebäude von Hamas-Funktionären an, das Militär teilte mit, das Büro von Hamas-Chefs Ismail Hanija sei zerstört worden. Fast zeitgleich unterzeichnete US-Präsident Donald Trump im Beisein von Israels Premier Benjamin Netanjahu in Washington ein Dekret, mit dem die USA die Zugehörigkeit der von Syrien annektierten Golanhöhen zu Israel anerkennen.

Trump erklärte, dieser Schritt sei überfällig. Israel hatte die Golanhöhen im Sechstagekrieg besetzt und 1981 annektiert. International ist dies nicht anerkannt. UN-Blauhelmsoldaten überwachen in dem Gebiet zwischen dem See Genezareth und Syriens Hauptstadt Damaskus einen Waffenstillstand von 1974. Trump hatte den Schritt vergangene Woche angekündigt und war dafür von der EU-Kommission und auch von Deutschland und Frankreich kritisiert worden. Syriens Regierung erklärte laut der Agentur Sana, dies sei ein "Angriff auf die Souveränität und territoriale Integrität" des Landes. Auch Russland verurteilte die Anerkennung.

Trump begründete die Entscheidung auch damit, dass sich Israel gegen Feinde im Norden wie auch im Süden verteidigen müsse. Er nahm Bezug auf den Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen am Montag, bei dem ein Haus im Zentrum Israels getroffen wurde und sieben Menschen verletzt wurden. Netanjahu hatte eine harsche Reaktion angekündigt: "Wir werden tun, was immer wir tun müssen, um unser Volk zu verteidigen und unseren Staat zu verteidigen." Er kürzte seinen Besuch in Washington wegen der Lage in Israel ab.

Kurz nach Beginn der Vergeltungsschläge Israels am Montag gab es Raketenalarm in israelischen Orten rund um den Gazastreifen, Schutzbunker wurden geöffnet. Am Abend feuerten militante Palästinenser rund 30 Raketen auf diese Gebiete, die aber großteils abgefangen wurden. Durch die israelischen Luftangriffe sollen nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza sieben Palästinenser verletzt worden sein. Am späten Abend meldeten palästinensische Medien unter Berufung auf die Hamas, unter ägyptischer Vermittlung sei ein Waffenstillstand ausgehandelt worden. Allerdings gab es in Israel weiterhin Raketenalarme, was gegen einen Waffenstillstand sprach. Die Vorbereitung der israelischen Militäraktion wies auf eine längere Dauer hin. Tausend Soldaten sollten verlegt werden, Züge nach Süden und landwirtschaftliche Arbeiten in der Region wurden eingestellt, Bunker öffneten auch in Tel Aviv. Vor zehn Tagen waren zwei Raketen auf die Stadt gefeuert worden, eine stürzte ins Meer, eine auf freies Feld. Die in der Küstenenklave regierende radikalislamische Hamas erklärte der Raketenabschuss vom Montag sei ein Irrtum gewesen. Der Rakete schlug in Mishmeret nordöstlich Tel Avivs in ein Wohnhaus ein. So weit war seit 2014 keine Rakete mehr über Israels Gebiet geflogen.