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Gauck und die Demographie:Beim Metzger man ist geschult für den Umgang mit Demenzkranken

Diesem Engagement begegnet Gauck bei seinem Besuch immer wieder. Im Bahnhof, der auch ein Bürgerzentrum beherbergt und deshalb Bürgerbahnhof heißt, schüttelt er einer von vielen Arnsbergerinnen die Hand, die in blauer Warnweste alten Menschen in die richtigen Busse helfen.

Ob sie das in ihrer Freizeit mache, ohne Gegenleistung, fragt Gauck. Sie nickt, die Wangen gerötet, und erzählt davon, wie ihr ein gebrechlicher Mann, dem sie mehrmals den Rollator in den Bus gehoben hatte, schweigend mit kleinem Lächeln eine Schokoladentafel überreicht hat. Eine andere Frau erzählt dem Bundespräsidenten, dass sie ihren Ruhestand damit verbringt, Hilfsbedürftige zu pflegen. "Sie sind schon in Rente?", fragt Gauck. "Na, da haben Sie sich ja gut gehalten."

Dann begegnet er einem Demenzpatienten, Hemd, Anzug, breites Lächeln, der erzählt, wie sich seine Frau seit der Diagnose vor fünf Jahren um ihn kümmert, wie aber auch die gesamte Stadt helfe. Der Bundespräsident staunt über die energische Worte.

Einen solchen Vortrag hätte er von einem Betroffenen nicht erwartet, sagt er. Die Ehefrau sagt, sie habe ihren Mann auch als Kranken nie verstecken wollen. Der lächelt, schüttelt den Kopf und sagt: "Ne, ne. Da wäre ich ausgebüxt."

Dinge verändern statt zu bejammern

Zum Ende seines Besuchs lobt Gauck die Einstellung, Dinge zu verändern statt zu bejammern. Vor allem aber zeige sein Besuch, dass Ehrenamt ohne Hauptamt nicht funktioniere. Jedes persönliche Engagement brauche professionelle, hauptamtliche Koordinatoren. Arnsberg sei ein Beispiel dafür, was gelingen könne, wenn Land, Stadt, Stiftungen, Bürgerverein und Ehrenamtliche gemeinsam einen Rahmen für besseres Altern schaffen.

Wer zum Beispiel in Arnsberger Modeläden, Bäckereien und Metzgereien an der Kasse steht, hat in der Regel eine Fortbildung für den richtigen Umgang mit demenzkranken Menschen belegt. Die örtliche Bäckerin erzählt dem Bundespräsidenten, schon ihre Auszubildenden lernten, wie man mit älteren Kundinnen umgeht, die zum vierten Mal an einem Tag Brot kaufen.

Gauck spricht von einem "Tabuthema"

Auch Taxifahrer hätten sich schulen lassen, nachdem dieselben Menschen sich immer wieder an die Orte ihrer Kindheit hätten fahren lassen. "Das gefällt mir so gut, das müssen sie an die Handwerks-kammern weitergeben", sagt Gauck.

Dass "die Kräfte irgendwann schwinden" sei in der Gesellschaft ein Tabuthema, kritisierte der Präsident. Für die "Kleinen Strolche" in Arnsberg nicht. Sie wissen, was es mit der Vergesslichkeit ihrer grauhaarigen Spielkameraden auf sich hat. "Macht ja nix, wenn ich meinen Namen öfter sagen muss", sagt ein Mädchen mit Pferdeschwanz und rosa Pullover, "so ist das halt mit der Vergesslichkeit."