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G-20-Randale in Hamburg:Fünf Männer verurteilt

G20-Prozess: Solidarität mit den Angeklagten vor dem Landgericht Hamburg

Rund 100 Personen versammelten sich am Freitagmorgen vor dem Landgericht Hamburg um ihre Solidarität mit den Angeklagten des G-20-Prozesses zu bekunden.

(Foto: imago images/Jannis Große)

Einer der fünf Angeklagten muss in Haft, die anderen vier wurden zu Bewährungsstrafen oder Arbeitsleistungen verurteilt. Es ist das erste Urteil im Zusammenhang mit dem gewalttätigen Aufmarsch an der Elbchaussee.

Es war der Morgen des 7. Juli 2017, als etwa 220 schwarz Vermummte zwei Kilometer durch Hamburgs Elbchaussee zogen und eine Schneise der Verwüstung hinterließen: 19 Autos waren zerstört worden, 19 weitere beschädigt. An 60 Gebäude hatten Randalierer Scheiben eingeschlagen, zahlreiche Häuser wurden mit Farbe beschmiert. "Überall hat es gescheppert und geklirrt", sagte Staatsanwalt Tim Paschkowski in seinem Plädoyer. Eine Anwohnerin sei in ihrer Küche nur ganz knapp von einem 800 Gramm schweren Stein verfehlt worden. Die Vermummten hätten auf die größtmögliche Zerstörung abgezielt.

Nun wurden im ersten Prozess um die Randale am Rande des G-20-Gipfels in Hamburg fünf Angeklagte verurteilt. Die vier Männer aus dem Rhein-Main-Gebiet und ein Franzose mussten sich wegen schweren Landfriedensbruches, Mittäterschaft bei Brandstiftung und gefährlicher Körperverletzungverantworten. Dem Mann aus Frankreich wurden außerdem Stein- und Flaschenwürfe gegen Polizisten im Schanzenviertel zur Last gelegt. Der 24-Jähriger bekam eine Strafe von drei Jahren. Ein 26-Jähriger aus Hessen erhielt ein Jahr und fünf Monate Haft auf Bewährung, ein 24-Jähriger Hesse eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten. Die beiden anderen, zwei junge Männer aus Hessen im Alter von 20 Jahren, wurden zur Erbringung von 20 Arbeitsleistungen verurteilt.

Die Staatsanwaltschaft hatte für die vier deutschen Angeklagten jeweils Haftstrafen zwischen zweieinhalb und drei Jahren beantragt, für den Franzosen hatte die Staatsanwaltschaft vier Jahre und neun Monate Haft gefordert. Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert. Nach Angaben ihrer Verteidiger hatten die Angeklagten nur friedlich demonstrieren wollen. An den Gewalttaten hätten sie sich nicht beteiligt.

Der Prozess vor dem Landgericht Hamburg hat eineinhalb Jahre gedauert. Am zweiten der fast 70 Verhandlungstage hatte das Gericht die Öffentlichkeit zum Schutz der zur Tatzeit noch jugendlichen Angeklagten ausgeschlossen. Erst kurz vor Beginn der Plädoyers wurden wieder Zuschauer zugelassen.

Bei den fast 100 Einzeltaten sei ein Schaden von mindestens einer Million Euro entstanden, insgesamt sechs Menschen seien verletzt worden oder hätten Schocks erlitten, hieß es. 60 weitere seien nur ganz knapp Verletzungen entgangen. "Es war wie im Krieg", zitierte der Staatsanwalt eine Zeugin. Die Randalierer seien alle einer abgesprochenen Choreographie gefolgt.

Die Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelt gegen weitere mutmaßliche Teilnehmer des Aufmarsches an der Elbchaussee, hat bislang aber noch keine neue Anklage erhoben.

Unterstützer der fünf Angeklagten wollen am Freitag vor dem Gerichtsgebäude demonstrieren. Für den Nachmittag hat ein "Bündnis gegen Repression" eine weitere Demonstration bei der Polizei angemeldet. Die erwarteten 200 Teilnehmer wollen ausgerechnet über den damals betroffenen Abschnitt der Elbchaussee ziehen.

© Sz.de/dpa/hij/mcs
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Von Veronika Wulf (Text) und Benedict Witzenberger (Grafik)

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