Früherer Bundeskanzler Österreichs Kern tritt als SPÖ-Spitzenkandidat bei der Europawahl an

Will von Wien nach Brüssel wechseln: Christian Kern, derzeit SPÖ-Chef.

(Foto: REUTERS)
  • Österreichs früherer Bundeskanzler, Christian Kern, will in die Europapolitik wechseln.
  • Den Parteivorsitz will der Sozialdemokrat dann aufgeben.
Von Peter Münch, Wien

Österreichs Oppositionsführer und Ex-Kanzler Christian Kern hat am Dienstag den politischen Betrieb Wiens in Atem gehalten. Am Abend kündigte er an, als Spitzenkandidat seiner SPÖ bei der Europawahl anzutreten. Als Parteivorsitzender wolle er "spätestens" nach dem Wahltermin im Mai 2019 zurücktreten. Zuvor waren Spekulationen gestreut worden, dass Ken sich komplett aus der Politik zurückziehen wolle.

Kern betonte, dass er die Spitzenkandidatur seiner Partei mit voller Kraft angehen werde. Dennoch wirkt der völlig überraschende Schritt wie eine Flucht aus Wien. Noch am vorigen Wochenende hatte er in Interviews erklärt, er wolle bei der nächsten Parlamentswahl in Österreich 2022 erneut antreten. Auch für den in gut zwei Wochen anstehenden SPÖ-Parteitag, der eine Erneuerung der Partei einleiten soll, hatte er sich für den Parteivorsitz nominieren lassen.

Nach einigen parteiinternen Querelen hatte er öffentlich bekundet, dass die "Führungsfragte in der SPÖ sonnenklar" sei. Nun müssen die Sozialdemokraten plötzlich doch neue Weichen für ihre künftige Führungsstruktur stellen. Innenpoltisch dürfte das ihre Rolle in der Opposition erst einmal weiter schwächen.

Kern war im Mai 2016 als politischer Quereinsteiger dem SPÖ-Kanzler Werner Faymann im Amt nachgefolgt. Zuvor war er Chef der österreichischen Bundesbahnen. Nach einem zunächst sehr positiv bewerteten Start musste er sich jedoch schon bei der Wahl im Oktober 2017 dem ÖVP-Kandidaten Sebastian Kurz geschlagen geben.

Kern ging damit als Kanzler mit der kürzesten Amtszeit in die österreichische Nachkriegsgeschichte ein. Mit seinem angekündigten Rückzug vom Parteivorsitz könnte er nun auch als SPÖ-Chef mit der kürzesten Amtszeit in den Annalen stehen.

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