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Friedensnobelpreis:Einer für alle

Die Ehrung für Abiy Ahmed zeichnet indirekt den Kontinent aus.

Es ist eine naheliegende Entscheidung, und auch eine überraschende. Zum zweiten Mal in Folge gewinnt ein Afrikaner den Friedensnobelpreis, 2018 war es der kongolesische Arzt Denis Mukwege, jetzt ist es der äthiopische Ministerpräsident Abiy Ahmed. Das Nobelpreiskomitee würdigt nicht nur Abiys Verdienste beim Friedensschluss mit Eritrea, es zeichnet damit auch indirekt den ganzen Kontinent aus. Denn der ist voll von Menschen, die sich mit aller Kraft für Frieden und Menschenrechte einsetzen - auch wenn sie vom Rest der Welt kaum wahrgenommen werden.

In einer Zeit, da nationalistische Populisten internationale Konflikte befeuern, ist der Friedensnobelpreis für Abiy eine Erinnerung daran, wie wichtig es ist, auf Gegner zuzugehen, Kompromisse zu schließen und alle Seiten im Blick zu haben, statt sich abzuschotten und nur für sein Land zu handeln. Der Lohn dafür kann enorm sein. Eine solche Freude, einen solchen Taumel wie im vergangenen Jahr, als Äthiopier und Eritreer sich endlich wieder besuchen konnten, als der Krieg endlich zu Ende war, hat man selten gesehen.

Auch wenn längst nicht alles gut ist in Äthiopien, es liegt vor allem an Abiy Ahmed, dass langsam vieles besser wird. Es gibt einige afrikanische Staats- oder Regierungschefs, die ihr Amt unter Jubel übernommen haben - und dann schwer enttäuschten. Vielleicht hilft der Friedensnobelpreis, dass in Äthiopien noch lange Freude und Optimismus herrschen.